Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2016/17

Veranstaltungsnr.: 40626 (Grundseminar)

Spolien

Zeit:
Do. 16-18
Raum/Ort:
GABF 04/711
Beginn:
20.10.2016
Workload:
60h, 180h oder 240h
Kreditpunkte:
2, 6 oder 8 CP

Inhalte:
Das lateinische Wort spolium lässt sich wörtlich als „in der Schlacht erbeutete Waffe bzw. Beutestück“ übersetzen. Die moderne Architekturgeschichte bezeichnet hiermit ein Werkstück, das -aus seinem einstigen architektonischen Kontext herausgelöst- sekundär wiedervenwendet wird. Die systematische Übernahme von Spolien begann mit dem Bau der christlichen Großbasiliken konstantinischer Zeit im 4. Jahrhundert. Die Gründe der umfangreichen Spolienverwendung, ob ökonomisch-utilitär, ideologisch oder ästhetisch sollen einleitend diskutiert werden. In der frühmittelalterlichen Baukunst scheinen zunehmend politische und religiöse Motive für den Einsatz antiker Werkstücke ausschlaggebend gewesen zu sein. Die Spolien werden dabei als Bedeutungsträger von der Forschungsliteratur vornehmlich ikonologisch betrachtet. Im Hochmittelalter waren Säulen und andere Bauelemente oft Teil von Kriegsbeute und dienten als Trophäen zur Erinnerung von Siegen über Kontrahenten. Sie wurden also dezidiert als Erinnerungsträger instrumentalisiert, die vielfältig und mehrschichtig auf Bauten und Ereignisse verweisen konnten. Ein weiterer zu untersuchender Aspekt der Spolienverwendung betrifft ihren möglichen Reliquiencharakter. Das gilt nicht nur für Werkstücke, die aus dem Heiligen Land stammten, sondern auch für Bauelemente eines Vorgängerbaus, die im Falle eines Neubaus sichtbar gelassen wurden. Letztere Praxis kann wiederum unterschiedlichste Intentionen haben. Sämtliche Fragen sind in gleicher Weise für sekundär verwendete Stücke aus dem Bereich der Bildkünste zu stellen. Hier seien als Beispiele Sarkophage oder Gemmen angeführt, die in ursprünglicher aber auch in zeitgenössischen Umarbeitung wiederverwendet wurden, und über die Architektur hinaus Gegenstand des Seminars sein sollen.

Großer Leistungsnachweis: Siehe kleiner Leistungsnachweis + Seminararbeit à 10-12 Seiten
Kleiner Leistungsnachweis: Aktive Teilnahme und Referat
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 10. August (ab 12 Uhr) bis zum 30. Oktober (bis 18 Uhr) über CAMPUS. Danach sind Anmeldungen nicht mehr möglich.

Die versierte, eigenständige Nutzung wissenschaftlicher Diskursformen in Wort und Schrift (Produktion und Rezeption) wird stets optimiert und in der Gruppe reflektiert. Die kommunikativen Fähigkeiten werden zudem durch eine vor Originalen geschulte Wahrnehmung auf fortgeschrittenem Niveau ausgebaut. Wissens- und Kompetenzerwerb und die damit einhergehende Kreditierung setzt daher die kontinuierliche aktive Teilnahme am dialogischen Austausch im Plenum voraus.

Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit „nicht ausreichend“ bewertet. In CAMPUS erfolgt der Eintrag „nicht bestanden“. Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.