Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2015/16

Veranstaltungsnr.: 40658 (Hauptseminar M.A.)

Notes on the INDEX oder: Botschaften ohne Code. Über Fotografie, Abguss- und Abdruckverfahren in der modernen und zeitgenössischen Kunst

Zeit:
Mi. 10-12
Raum/Ort:
Kunstsammlungen der RUB/Campusmuseum
Beginn:
04.11.2015
Workload:
60h, 90h oder 210h
Kreditpunkte:
2, 3 oder 7 CP

Inhalte:
Der amerikanische Philosoph und Semiotiker Charles Sanders Peirce (1839–1914) führte die Trichonomie Ikon, Index und Symbol ein und erläuterte die den drei Begriffen zugrunde liegenden Objektbeziehungen. Für die indexikalische Beziehung ist eine „existentielle Relation“ (Pierce) zum Objekt von Bedeutung. 1977 greift die Kunsthistorikerin Rosalind E. Krauss den von Charles Sanders Peirce eingeführten Begriff des „Index“ auf, um Tendenzen in der zeitgenössischen Kunst beschreiben zu können. Hintergrund ihrer Analysen ist eine Tendenz in der US-amerikanischen Kunst der 1960er- und 1970er-Jahre: zahlreiche Künstlerinnen und Künstler versuchten die herkömmliche Bedeutungsstiftung von Kunstwerken zu unterlaufen. Sie zielten auf Berührungen mit einer nicht bereits kulturell überformten und kodierten Wirklichkeit. Da die Fotografie als Lichtabdruck als wirkliche Spur der Realität fungiert, wurde sie zu einem Modell für die künstlerischen Arbeiten, die sich durch eine physische Beziehung zur Wirklichkeit auszeichnen. Zwanzig Jahre später thematisierte Georges Didi-Hubermann in seiner Studie Ähnlichkeit und Berührung. Archäologie, Anachronismus und Modernität die Dialektik von Berührung und Entfernung in Abguss- und Abdruckverfahren und erweiterte so das Feld der in der Kunstgeschichte diskutierten indexikalischen Beziehungen.
Da der Begriff des „Index“ eine besondere Form des Wirklichkeitsbezuges reflektiert, ermöglicht das Seminar eine Ausdifferenzierung der Realitätsbeziehungen und deren ‚Repräsentation’ in der modernen und zeitgenössischen Kunst. Untersucht werden fototheoretische und kunsthistorische Diskurse zum Thema sowie künstlerische Arbeiten, die auf indexikalischen Verfahren gründen.
Einführende Literatur:
Rosalind Krauss: Die Originalität der Avantgarde und andere Mythen der Moderne, hg. von Herta Wolf, Hamburg 2000.
Georges Didi-Huberman: Ähnlichkeit und Berührung. Archäologie, Anachronismus und Modernität des Abdrucks, Köln 1999.
Friederike Wappler: „Index“, in: Begriffslexikon zur zeitgenössischen Kunst, hg. Hubertus Butin, Köln 2014, S. 127-130.
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 17. August (ab 12 Uhr) bis zum 30. Oktober (bis 18 Uhr) über CAMPUS. Danach sind Anmeldungen nicht mehr möglich. Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit „nicht ausreichend“ bewertet. In CAMPUS erfolgt der Eintrag „nicht bestanden“. Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.