Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2013/14

Veranstaltungsnr.: 40664 (Hauptseminar M.A.)

Why pictures now – Strategien der Aneignung in der Kunst der 1970/80er Jahre und der Gegenwart

Zeit:
Mi. 16-18
Raum/Ort:
GABF 04/711
Beginn:
23.10.2013
Workload:
60h, 90h oder 210h
Kreditpunkte:
2, 3 oder 7 CP

Inhalte:
Die Rückkehr der Bilder vollzog sich nicht erst in den 1980er Jahren mit einem Boom der Malerei. Schon seit den 1970er Jahren machte sich eine parallele Entwicklung bemerkbar, für die ein ambivalentes Bildverständnis und medienbezogene bzw. schon postmediale Praktiken wesentlich sind. Die Masse und Omnipräsenz bereits vorhandener Bilder als Teil einer dominanten visuellen Kultur in Werbung, Presse/TV und Kino, aber auch einer kanonisierten Kunstgeschichte sorgte damals für eine Verschiebung von der Neuschöpfung hin zur Aneignung von Bildern, die sich in verschiedensten Formen der Reproduktion, Nachstellung oder auch des bloßen Sammelns, Collagierens und Neu-Arrangierens ausprägt. Hier korrespondiert dem found object in der Tradition des Ready made ein Konzept des found image, wobei beide nun vor allem Teil der verführerischen, mit Identitätsversprechen handelnden Konsumkultur sind.
In der Kunstgeschichte wird derzeit gerade an der Rekonstruktion dieser Pictures Generation gearbeitet, die einer wichtigen Ausstellung im Jahr 1977 und dazugehörigen Schriften von Douglas Crimp ihren Namen verdankt. In diesem Zusammenhang lassen sich die gemeinsamen oder verwandten Anfänge heute meist getrennt wahrgenommener Künstlerpositionen wie Cindy Sherman, Barbara Kruger, Sherrie Levine oder Matt Mullican wiederentdecken zusammen mit ihren hierzulande weniger bekannten amerikanischen Weggefährten. Gleichzeitig sind Bezüge zu ähnlichen Ansätzen im europäischen Kontext herzustellen. Die damals einsetzende Theoretisierung von Aneignung wird aktuell wieder aufgegriffen. So tritt zum einen der zeithistorische Rahmen der 1980er Jahre deutlich hervor, in dem Aneignung als ‚allegorischer Impuls‘ vor dem Hintergrund einer geradezu endzeitlichen, ruinösen Moderne verstanden worden ist. Zum anderen wird für die zeitgenössische Kunst diskutiert, wie sich diese Kultur der Aneignung heute künstlerisch und theoretisch fortschreibt bzw. wandelt. Insgesamt sind die Techniken des Wiederaufführens oder auch des Re-Arrangements der gefundenen Bilder bedeutsam, die etwa zwischen Collage, Buch und Installation changieren.


Leistungsnachweise:
kL: aktive Teilnahme, Referat
gL: aktive Teilnahme, Referat, Hausarbeit (15 Seiten)
Einführende Literatur:
Crimp, Douglas, Pictures, in: October Nr. 8, Frühjahr 1979, S. 75-88; wiederabgedruckt in: Wallis, Brian (Hg.), Art After Modernism: Rethinking Representation, 3. Aufl., Boston, Massachusetts 1988, S. 175-187
Dziewior, Yilmaz (Hg.), That’s the way we do it. Techniken und Ästhetik der Aneignung, Ausst.-Kat. Kunsthaus Bregenz, Köln 2011
Eklund, Douglas, Pictures Generation 1987-1984, Ausst.-Kat. The Metropolitan Museum of Art New York, New York 2009
Konstruktion Zitat : kollektive Bilder in der Fotografie, Ausst.-Kat. Sprengel Museum Hannover 1993
Verwoert, Jan, Mit Geistern leben. Der Übergang von der Appropriation zur Anrufung in der zeitgenössischen Kunst, in: Béton Brut 1, 2008 (Zeitschrift des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen), S. 8-17
Why Pictures Now. Fotografie, Film, Video heute, Ausst.-Kat. Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Nürnberg 2006
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. August (ab 12 Uhr) bis zum 30. Oktober (bis 18 Uhr) über VSPL. Danach sind Anmeldungen nicht mehr möglich. TeilnehmerInnen, die häufiger als zweimal unentschuldigt fehlen, werden am Ende des Semesters automatisch gelöscht. Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit „nicht ausreichend“ bewertet. In VSPL erfolgt der Eintrag „nicht bestanden“. Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.