Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2012/13

Veranstaltungsnr.: 40652 (Hauptseminar M.A.)

Der emanzipierte Zuschauer: Aktuelle Theorieansätze und künstlerische Arbeiten im Vergleich (Lektüre- und Schreibübung mit Ausstellungsbesuchen)

Zeit:
2-3 Blocktermine, 6 Sitzungen mittwochs 16-18 Uhr, erster Blocktermin: Fr., 5.10.2012
Raum/Ort:
GA 03/49
Beginn:
05.10.2012
Workload:
90h oder 210h
Kreditpunkte:
3 oder 7 CP

Inhalte:
Anmeldefrist: 9. September 2012
1. Blocktermin / Lektüresitzung am Fr., 5.10.2012, 11-17 Uhr, Raum GA 6/62;
Verteilung der jeweils in der Diskussion zu moderierenden Texte vorab über das Blackboard;
2 weitere Blocktermine im Semester sowie 6 Sitzungen mittwochs 16-18 Uhr, GA 03/49

Im Mittelpunkt dieser Übung steht die kritische Revision des Topos von der Emanzipation des Betrachters als einer nicht selten wörtlich verstandenen Aktivierung über das bloße Zuschauen hinaus. Eine prominente Gegenposition hierzu findet sich aktuell u.a. bei Jacques Rancière, der dem Zuschauen selbst emanzipatorisches Potential zuschreibt und dies in eine grundlegende Umwertung dessen einbettet, was als aktiv und passiv zu gelten hat. Generell ist die Verwandlung von Zuschauern in Darsteller im Zuge der im Postfordismus abverlangten steten Selbstperformance problematisch geworden. Rancière geht mit seinen Überlegungen zum Paradox des Zuschauers auf das Theater zurück, hat dabei aber auch die zeitgenössische Kunst im Blick. Mit dem im Theater versammelten Publikum ist überdies die Idee des Gemeinschaftlichen reaktiviert, die im zeitgenössischen Kunstdiskurs im Rückgriff auf Konzepte des pluralen Seins, einer kommenden Gemeinschaft oder Multitude gleichermaßen Konjunktur hat. Als zweites, die Idee der Mobilisierung durchaus fortschreibendes Modell für die theoretische Konturierung neuer Betrachterfiguren in der Kunst fungiert daneben die zeitgenössische mediale Kultur bewegter Bilder: zum einen in Umdeutung des klassischen, still stellenden Kinos, zum anderen mit Bezug auf neue Aneignungsformen von digital allerorten vielfältig verfüg- und nutzbaren Medienangeboten. Das Spektrum reicht hier vom immersive, pensive oder possessive spectator bis zur Wiederkehr des Betrachters als Flaneur.

Die verschiedenen Theorieansätze werden zunächst einer genauen Lektüre unterzogen, bevor es vergleichend um die Frage geht, wie diese Themen in der Kunst selbst verhandelt werden. Exemplarisch lässt sich dies am Beispiel der britischen Künstlerin Gillian Wearing beleuchten, die im Herbst mit einer umfassenden Werkschau im K21 in Düsseldorf zu Gast ist: Ihr Interesse gilt seit den 1990er Jahren insbesondere der Formierung von Identität im Spiegel von Gesellschaft und Medien, wobei sie immer wieder die Konventionen von Faktischem und Fiktion verschleift. Besonders akut werden die skizzierten Aspekte in ihrem ersten Feature Film Self Made (2010), der in einem langen Prozess von Workshops, Casting, Rollenfindung und Method Acting theatrale und filmische Mittel in neuer Weise verschränkt.

Weitere aktuelle künstlerische Positionen und Ausstellungen werden in Absprache mit den TeilnehmerInnen hinzugezogen, wenn die Reflexion von Theorie und Kunstpraxis abschließend in einer Schreib- und Praxis-Übung zusammengeführt wird, bei der verschiedene (Text)Genres von Interview, Round Table Gespräch bis zur Ausstellungsrezension erprobt werden. Eine Kooperation mit dem K21, dem weiterbildenden Studium Kunstkritik und kuratorisches Wissen sowie evtl. mit Studierenden von Kunstakademien und Fotoklassen der Region ist geplant.

Einführende Literatur: Jacques Rancière: Der emanzipierte Zuschauer, Wien 2009
Die theoretischen Texte werden ab September über das Blackboard zur Verfügung stehen.

Teilnahmebedingungen: regelmäßige aktive Teilnahme, vorbereitende Lektüre, Schreib/Praxisübung zu verschiedenen (Text)Genres im Umfang von ca. 2 Seiten.
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. August (ab 12 Uhr) bis zum 9. September (bis 12 Uhr) über VSPL. Danach sind Anmeldungen nicht mehr möglich. Teilnehmer, die häufiger als zweimal unentschuldigt fehlen, werden am Ende des Semesters automatisch gelöscht. Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit „nicht ausreichend“ bewertet. In VSPL erfolgt der Eintrag „nicht bestanden“. Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.