Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2012/13

Veranstaltungsnr.: 40638 (Grundseminar)

Kunst der 1950er/60er Jahre in Deutschland

Zeit:
Mo. 14-16h
Raum/Ort:
GA 6/62 Sammlungsraum
Beginn:
15.10.2012
Workload:
60h oder 180h
Kreditpunkte:
2 oder 6 CP

Inhalte:
Nach 1945 waren durch den Naziterror und die Aktion „Entartete Kunst“ wichtige Traditionsbildungen in der deutschen Kunst um die Mitte des Jahrhunderts abgebrochen. Die Künstler suchten nun einerseits den Anschluss an die zeitgenössischen Tendenzen insbesondere im westlichen Ausland zu gewinnen und andererseits aber auch die verschütteten Traditionen in der deutschen Kunst seit dem Expressionismus zu entdecken und wieder zu beleben. Dabei kam es zu einer Reihe grundsätzlicher Debatten, die die Kunstentwicklung im Nachkriegsdeutschland nachhaltig beeinflussten. Sie entzündeten sich an Sedlmayrs 1948 in der ersten Auflage erschienenem Buch „Verlust der Mitte“ und an der 1955 erstmals stattfindenden documenta in Kassel. Während der eine fundamentale Kritik an Tendenzen der zeitgenössischen Kunst seit der Jahrhundertwende übt, versuchen Arnold Bode und Werner Haftmann mit der Kasseler Ausstellung an fortschrittliche Entwicklungen anzuknüpfen und die abgebrochenen Traditionen aufzudecken. Dabei entstanden jedoch auch - insbesondere durch die nachfolgenden Ausstellungen - neue Fronten und Ausschlüsse innerhalb der zeitgenössischen Kunst. Bereits 1950 waren die gegensätzlichen Positionen im „Darmstädter Gespräch - Das Menschenbild in unserer Zeit“ aufeinander gestoßen. Ergänzend sollen dazu ein Blick auf die regionale Kunstentwicklung in Nordrhein-Westfalen, speziell im Ruhrgebiet geworfen werden. Hier waren es die Künstlergruppen „junger westen“, „zero“ und „B 1“, die bereits früh versuchten, an das internationale Kunstgeschehen wieder Anschluss zu finden, und zugleich die Kunst mit Fragen der Umweltgestaltung und der Stadt- und Landschaftsplanung zu verknüpfen (Gruppe „B 1“)
Im Rahmen dieses Seminars sollen jene Entwicklungen nachgezeichnet und diskutiert werden. Dabei stehen - neben den Texten - die Werke der Künstler im Mittelpunkt, die die beiden Pole der Debatte, die ungegenständliche Malerei auf der einen Seite (Willi Baumeister, Gerhard Hoehme, Ernst Wilhelm Nay) und eine Neubelebung der Figuration auf der anderen Seite, vertraten (Karl Hofer, Bruno Goller, Werner Heldt, Konrad Klaphek). Mit den Beständen der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität und des Museums Bochum steht ein umfangreiches Konvolut von Werken der Zeit zur Verfügung, das in die Seminararbeit einbezogen wird.


Literatur

Baumeister, Willi: Das Unbekannte in der Kunst. Stuttgart 1947
Evers, Hans Gerhard (Hg.): Das Menschenbild in unserer Zeit. Darmstädter Gespräch. Darmstadt 1950
Haftmann, Werner: Malerei im 20. Jahrhundert. München 1954
Hofer, Karl: Schriften. Hg. v.: Daniel Kupper. Berlin 1995
Klapheck, Anna: Vom Notbehelf zur Wohlstandskunst. Kunst im Rheinland der Nachkriegszeit. Köln 1979
Körner, Hans (Hg.): Flächenland. Die abstrakte Malerei im frühen Nachkriegsdeutschland und in der jungen Bundesrepublik. Tübingen/Basel 1996
Ohff, Heinz: Kunst ist Utopie. Gütersloh 1972
Sedlmayr, Hans: Verlust der Mitte. Salzburg 1948
Ullrich, Ferdinand (Hg.): Kunst des Westens. Deutsche Kunst 1945-1960. Köln 1996
Wollenhaupt-Schmid, Ulrike: documenta 1955. Eine Ausstellung im Spannungsfeld der Auseinandersetzung um die Kunst der Avantgarde 1945 – 1969. Frankfurt/M. 1994
Kat Ausst. documenta. Kassel 1955
Kat Ausst. documenta II. Kassel 1959
Kat. Ausst. Szene Rhein-Ruhr’72. Essen 1972
Kat. Ausst. Westkunst. Köln 1981
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. August (ab 12 Uhr) bis zum 31. Oktober (bis 18 Uhr) über VSPL. Danach sind Anmeldungen nicht mehr möglich. Teilnehmer, die häufiger als zweimal unentschuldigt fehlen, werden am Ende des Semesters automatisch gelöscht. Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit „nicht ausreichend“ bewertet. In VSPL erfolgt der Eintrag „nicht bestanden“. Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.