Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2011/12

Veranstaltungsnr.: 40603 (Vorlesung)

Gattungen und ihre Diskurse in Bild und Text

Zeit:
Mi. 14-16h
Raum/Ort:
HGA 30
Beginn:
19.10.2011

Inhalte:
Die bildenden Künste der Frühen Neuzeit und Neuzeit erbten ebenso wie die Dichtkunst und die Musik aus der Antike das grundsätzliche Bewusstsein für Gattungen, welche die Ausdrucksweise der Kunstwerke konditionieren. Was in der frühen Kunsttheorie zunächst nur rudimentär formuliert wird, nämlich eine Rangfolge der Gattungen nach Medien, nach Sujets und nach Aufgaben, wird seit dem französischen Akademiewesen umfassend theoretisiert und – etwa mit Bezug auf Bildsujets in der berühmten Fünfzahl (Historie, Porträt, Landschaft, Genre und Stillleben) – normiert. In der Vorlesung geht es mir aber nicht vorrangig um die Modelle, die im kunsttheoretischen Schreiben entwickelt wurden, sondern um die Rekonstruktion der impliziten Gattungsdiskurse in den Kunstwerken. Die Kunsttheorie hat hierfür heuristische Funktion. Dabei spielen eine Reihe von Fragen eine Rolle, etwa wie Gattungen entstehen und sich ausdifferenzieren, wie Gattungsverstöße legitimiert werden und wie am Beginn der Moderne das Gattungsgerüst emphatisch über Bord geworfen wird – wobei die Werke selbstredend nicht ohne das entsprechende Gattungswissen adäquat verstanden werden können.

Einführende Literatur:
Wolfgang Kemp, „Ganze Teile. Zum kunsthistorischen Gattungsbegriff “, in: Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 76 (2002), S. 294-299.
Oskar Bätschmann, „Kunstgattungen, Bildgattungen, Schemata“, in: Theorie der Gattungen (= Handbuch der musikalischen Gattungen, Bd. 15), hg. v. Siegried Mauser, Laaber 2005, S. 34f.
Geschichte der klassischen Bildgattungen in Quellentexten und Kommentaren, hg. vom Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin, Bd. 1-5 [Historienmalerei/Porträt/Landschaftsmalerei/Genre/Stilleben], Berlin 1996-2002.