Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2010/11

Veranstaltungsnr.: 40663 (Hauptseminar M.A.)

Fotografie / Kino / Kunst

Zeit:
2st., Di. 14-16h
Raum/Ort:
GABF 04/516
Beginn:
Vorbesprechung Di, 12.10.2010, 15-16 Uhr, GABF 04/516, dann ab 02.11

Inhalte:
Das Interesse für bewegte Bilder ist für die künstlerische Avantgarde seit Beginn des 20. Jahrhunderts und seit Erfindung des Films charakteristisch. In den letzten beiden Jahrzehnten jedoch ist eine neue Hinwendung zum Kino auffällig, die sich weniger auf die experimentellen, medieninhärenten Möglichkeiten des Filmischen als auf die Institution und Illusionsmaschinerie Kino richtet. Ausgerechnet das selbst zunehmend veraltende, einschneidenden Transformationen unterliegende Kino ist zu einem wichtigen Referenzsystem der Medienkunst avanciert, das neben das besonders in den Anfangsjahren vorherrschende Paradigma des Fernsehens tritt und keineswegs nur kritische Bezugnahmen erfährt. Mit den zuvor lange marginalisierten filmischen Praktiken werden nun im Museum neuartige Formen des Exhibition Cinema bzw. alternative Orte für bewegte Bilder erprobt: Kunstraum und Kino verschmelzen mit den häufig installativen, mehrkanaligen Projektionen zu einem dritten Raumtypus zwischen White Cube und Black Box.
Die dem zugrunde liegende Reflexion des klassischen kinematographischen Dispositivs als einer Anordnung von Projektor, Lichtbild und Publikum im Raum findet parallel in fotografischen und anderen modellhaften Rekonstruktionen dieses Raumgefüges statt (Hiroshi Sugimoto, Teresa Hubbard / Alexander Birchler, Dan Graham). Und die darin verorteten unbewegten Betrachter, die die raumgreifenden, multifokalen Film-/Videoinstallationen zu mobilisieren versuchen, werden ebenso in fotografisch-filmischen Porträts des Publikums beispielsweise bei Jeff Wall oder Christian Jankowksi einer eindringlichen Analyse unterzogen.
Wenn in diesem Seminar also die jüngste Allianz von Kunst und Kino insbesondere im Spiegel der Fotografie untersucht werden soll, so wird damit keineswegs nur ein Seitenweg beschritten. Vielmehr ist auf diese Weise Aufschluss über ein wesentliches Charakteristikum der aktuellen künstlerischen Auseinandersetzung mit Bewegtbildern zu gewinnen: Denn diese erscheint in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht mehr so stark von einer Faszination für Dynamik und Bewegung geprägt, sondern mitunter geradezu gegen den Bilderfluss anzuarbeiten. Die neueren Arbeiten zum Kino sind vielfach von einem Gestus der Aneignung bestimmt, der sich auf bekannte Bilder oder Mikro-Sequenzen konzentriert und dabei zwischen Dekonstruktion (der filmischen Narration) und der Re-Inszenierung ikonischer Szenen oszilliert (Douglas Gordon, Monica Bonvicini). Die auffallende Tendenz zur Verlangsamung des filmischen Bilderflusses und zur Stillstellung des einzelnen Bildes, wie sie schon bei Andy Warhols Standbildfilmen vorgeprägt ist, nähert das Filmische unweigerlich dem Fotografischen an. Daher werden zwischen den verschiedenen Medien gelagerte Phänomene wie das Filmstill (Cindy Sherman, John Stezaker) oder der Foto- und Diafilm (Chris Marker, Ana Torfs) von besonderem Interesse sein.

Termine:
Vorbesprechung Di, 12.10.2010, 15-16 Uhr, GABF 04/516
Sa, 30.10.2010 12-18 Uhr, Exkursion zur Ausstellung "`Bilder in Bewegung"'', Museum Ludwig, Köln, Treffpunkt im Museums-Foyer
ab 2.11. dienstags, 14-16 Uhr, GABF 04/516
Einführende Literatur:
David Campany: Photography and Cinema, London 2008.
Paul Young, Paul Duncan: Art Cinema, Köln 2009.
Tanya Leighton (Hg.): Art and the moving image. A critical reader. London 2008.
Gregor Stemmrich (Hg.): Kunst / Kino. Köln 2001.
Winfried Pauleit: Filmstandbilder - Passagen zwischen Kunst und Kino, Frankfurt / Main, Basel 2004.
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die Beschäftigung mit künstlerischen Arbeiten mit Bewegtbildern macht es notwendig, diese zumindest teilsweise auch projiziert und installiert zu sehen. Deshalb sind im Rahmen des Seminars Exkursionen geplant. Der gemeinsame Besuch der Ausstellung "`Bilder in Bewegung"'' im Museum Ludwig am Sa, 30.10., 12-18 Uhr ist daher Voraussetzung für die weitere Teilnahme am Seminar. Ebenso ist die Vorbesprechung am Di, 12.10.2010 von 15-16 Uhr verpflichtend: Hier wird das Seminarprogramm im Einzelnen vorgestellt; außerdem werden Aufgaben bzw. Referatsthemen vergeben. Baldmöglichst wird ein Seminarapparat mit ausgewählter Literatur in der Institutsbibliothek bereitstehen.

Das Seminar ist auf 25 Teilnehmer begrenzt.
Kleiner Leistungsschein: aktive Mitarbeit, Referat und Thesenpapier
Großer Leistungsschein: aktive Mitarbeit, Referat / Thesenpapier, Hausarbeit