Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2010/11

Veranstaltungsnr.: 40628 (Grundseminar)

Mittelalterliche Holz- und Bronzetüren

Zeit:
2st., Di. 16-18h
Raum/Ort:
GABF 04/516
Beginn:
19.10.2010

Inhalte:
In diesem Seminar wird an Hand von ausgewählten Beispielen ein Überblick über die Bronze- aber auch Holztüren des Mittelalters sowie ein Ausblick auf die Entwicklung der Gattung in der Frühen Neuzeit gegeben. Wir werden in Italien und Deutschland gefertigte Türen behandeln. Diese zeichnen sich im Gegensatz zu den byzantinischen oder byzantinisierenden Türen durch ein reliefiertes Bildprogramm aus, welches oft Christusviten oder eine typologische Gegenüberstellung von Altem und Neuem Testament zeigt. Die Bedeutung des Bildprogramms wird zumeist aus der Symbolfunktion der Tür im Kirchenbau erklärt. So sei die Tür in der Architektursymbolik des Kirchenbaus christologisch, paradisiologisch oder juridisch zu interpretieren. Diese drei Bedeutungen fänden sich in den Bildprogrammen der Kirchentüren wieder (Ute Götz). Daneben soll ein besonderes Augenmerk auf die Materialität der Gattung gelegt werden. Gerade diese sowie die handwerkliche Leistung sei nämlich - so argumentiert Ursula Mende - von dem mittelalterlichen Betrachter geschätzt worden. Der heutige Betrachter hingegen sei vielmehr an dem Bildprogramm interessiert. Unter diesem doppelten methodischen Zugriff werden wir uns den Türen nähern: zunächst werden wir uns mit dem Ansatz der Materialikonographie bzw. -ikonologie vertraut machen, um dann mit Wolfgang Kemps Bildsummen-Theorie einen Zugang zur kunsthistorischen Erzählforschung zu erschließen. Diese Zugänge sollen im Folgenden bei der Behandlung der Einzeltüren fruchtbar gemacht werden.

Bitte beachten Sie bei Ihrer Semesterplanung, dass Anfang bis Mitte November eine 1 bis 2-tägige Exkursion nach Hildesheim geplant ist. Diese ist Teil des Seminars und somit obligatorisch.
Einführende Literatur:
Türen:
Ute Götz, Die Bildprogramme der Kirchentüren des 11. und 12. Jahrhunderts, Diss., Tübingen 1971.
Hermann Leisinger, Romanische Bronzen: Kirchentüren im mittelalterlichen Europa, Zürich 1956.
Ursula Mende, Bronzetüren des Mittelalters: 800 - 1200, München 1994.
Salvatorino Salomi, Le porte di bronzo dall antichita al secolo XII, Rom 1990.
methodischer Zugriff:
Wolfgang Kemp, Christliche Kunst: Ihre Anfänge. Ihre Strukturen, München 1998.
Thomas Raff, Die Sprache der Materialien: Anleitung zu einer Ikonologie der Werkstoffe, München 1994.
Monik Wagner, Form und Material im Geschlechterkampf, oder: Aktionismus auf dem Flickenteppich, in: Corinnna Caduff und Sigrid Weigel (Hsrg.), Das Geschlecht der Künste, Köln, Weimar, und Wien, 1996, S. 175-196.
Monika Wagner, Dietmar Rübel und Sebastian Hackenschmidt, Lexikon des künstlerischen Materials: Werkstoffe der modernen Kunst von Abfall bis Zinn, München 2002.
Monika Wagner, Materialwert, Materialgerechtheit, Materialbedeutung, in: Kunsthistorische Arbeitsblätter 9/2003, S. 5-14.
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
ausgeprägtes Interesse am Thema, Anwesenheit und aktive Mitarbeit
Großer Leistungsnachweis: Referat (30-45 Minuten) und Hausarbeit (ca. 10 Seiten)
Kleiner Leistungsnachweis: Co-Referat