Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2010/11

Veranstaltungsnr.: 40627 (Grundseminar)

Spolien

Zeit:
2st., Mi. 16-18h
Raum/Ort:
GABF 04/711
Beginn:
13.10.2010

Inhalte:
Das lateinische Wort spolium lässt sich als "`in der Schlacht erbeutete Waffe"'' bzw. "`Beutestück"'' übersetzen. Die moderne Architekturgeschichte bezeichnet hiermit ein Werkstück, das -aus seinem einstigen architektonischen Kontext herausgelöst- sekundär wiedervenwendet wird. Die systematische Übernahme von Spolien begann mit dem Bau der christlichen Großbasiliken konstantinischer Zeit im 4. Jahrhundert. Die Gründe der umfangreichen Spolienverwendung, ob ökonomisch-utilitär, ideologisch oder ästhetisch, sollen einleitend diskutiert werden. In der frühmittelalterlichen Baukunst scheinen zunehmend politische und religiöse Motive für den Einsatz antiker Werkstücke ausschlaggebend gewesen zu sein. Die Spolien werden dabei als Bedeutungsträger von der Forschungsliteratur vornehmlich ikonologisch betrachtet. Im Hochmittelalter waren Säulen und andere Bauelemente oft Teil von Kriegsbeute und dienten als Trophäen zur Erinnerung von Siegen über Kontrahenten. Sie wurden also dezidiert als Erinnerungsträger instrumentalisiert, die vielfältig und mehrschichtig auf Bauten und Ereignisse verweisen konnten. Ein weiterer zu untersuchender Aspekt der Spolienverwendung betrifft ihren möglichen Reliquiencharakter. Das gilt nicht nur für Werkstücke, die aus dem Heiligen Land stammten, sondern auch für Bauelemente eines Vorgängerbaus, die im Falle eines Neubaus sichtbar gelassen wurden. Letztere Praxis kann wiederum unterschiedlichste Intentionen haben. Sämtliche Fragen sind in gleicher Weise für sekundär verwendete Stücke aus dem Bereich der Bildkünste zu stellen. Hier seien als Beispiele Sarkophage oder Gemmen angeführt, die in ursprünglicher aber auch in zeitgenössischen Umarbeitung wiederverwendet wurden, und über die Architektur hinaus Gegenstand des Seminars sein sollen.
Einführende Literatur:
Ein Reader der wichtigsten Literatur wird zu Beginn des Seminars bereit gestellt und dient als Grundlage der Diskussionen. Sollten die Texte nicht gelesen werden, wird die jeweilige Sitzung abgebrochen und als Fehlstunde allen Studierenden angerechnet.
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Großer Leistungsnachweis: Seminararbeit a 10-12 Seiten
Kleiner Leistungsnachweis: Aktive Teilnahme und 15minütige mündliche Prüfung zum Ende des Semesters