Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2009/10

Veranstaltungsnr.: 40657 (Hauptseminar M.A.)

Mythos Monument. Urbane Strategien in Architektur

Dozent/in:

Zeit:
2st., Mo. 10-12
Raum/Ort:
GABF 04/511
Beginn:
2009-10-26 00:00:00

Inhalte:
Die Forschungen zur Bedeutung des Monumentalen in der Architektur und Kunst seit 1945 stehen noch am Anfang. Die monumentalen Wirkungsabsichten der faschistischen, nationalsozialistischen und stalinistischen Regime haben aus nachvollziehbaren Gründen zu einer Tabuisierung dieses Begriffes geführt und die wissenschaftlichen Darstellungen der Architektur- und Kunstgeschichte bis weit in die neunziger Jahre geprägt. Hierbei geriet zumeist aus dem Blick, dass dem Monumentalen bereits Mitte der vierziger Jahre eine zentrale Bedeutung in dem Versuch zukam, an die ästhetischen Vorstellungen der Vorkriegsmoderne anzuknüpfen. Prominente Parteigänger der Moderne wie der Kunsthistoriker Sigfried Giedion sowie der Künstler Fernand Léger traten schon 1943 für eine monumentale Vervollkommnung der Moderne ein. Hiermit einher geht eine paradigmatische Umdeutung des Begriffes. Unter dem Eindruck des Krieges wird seine tradierte Funktion als Medium der Repräsentation entschieden negiert. An deren Stelle tritt die Vorstellung des Monumentalen als einer wesenhaften Qualität von Architektur und Kunst, die in einem ganz allgemeinen Sinne das vorausgesetzte Bedürfnis des Betrachters nach symbolischen Formen befriedigt. Das Monument als historisches Artefakt oder Ausdruck einer bestimmten Haltung gegenüber der Geschichte wie es Alois Riegl noch zu Beginn des Jahrhunderts umfassend in seiner Schrift „Der moderne Denkmalcultus“ analysiert hatte, spielt in diesen Überlegungen keine Rolle mehr. Vielmehr wird das Monumentale zum Inbegriff des Einprägsamen abstrahiert, das allein qua seiner signifikanten Form eine Beziehung zum Betrachter herzustellen vermag. Hiermit einher geht eine retrospektive Ästhetisierung der historischen Monumente, die bis heute die Diskussion um die Rekonstruktion zerstörter Bauwerke prägt.



Das Seminar setzt sich zum Ziel, die hiermit verbundene paradigmatische Umdeutung des Monumentalen sowie deren Einfluss auf die architektonischen, urbanistischen und künstlerischen Strategien seit 1945 anhand exemplarischer Beispiele zu untersuchen. Da die Veranstaltung zugleich als Vorbereitung zu einer gleichnamigen Tagung konzipiert ist, wird von jedem Teilnehmer erwartet, dass er sich in komplexe und gattungsübergreifende Fragestellungen einarbeitet. Zudem ist die aktive Teilnahme an der Tagung obligatorisch.


Themen:



1. Das Monumentale als symbolische Form. Zum öffentlichen Auftritt der Moderne in den Vereinigten Staaten



2. Die Stadt als Monument: Von Rossi zur städtebaulichen Denkmalpflege



3. Die Straße als Monument



4. Louis Kahn und die Bedeutung der Monumentalität in Theorie und Praxis



5. Die Krise des Monuments. Venturi und Scott Brown



6. ’Life is the only environmental art’: Superstudio



7. Robert Smithsons Reiseberichte: Nicht-Orte und die Überreste der Monumente



8. Schnitte durch Strukturen. Gordon Matta-Clarks "Non-uments"



9. Das Verschwinden von Monumenten: Robert Filliou bis Allora & Calzadilla



10. "Konkretion des Negativen". Das Monumentale in den Arbeiten von Rachel Whiteread



11. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas



12. Simulierte Geschichte: Der Wettbewerb zum Humboldt-Forum Berlin