Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2009/10

Veranstaltungsnr.: 40622 (Übung (Lektürekurs))

Disegno. Theorie der Zeichnung in der Frühen Neuzeit

Zeit:
2st., Mi. 12-14
Raum/Ort:
GA 05/707
Beginn:
2009-10-14 00:00:00

Inhalte:
Seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert gewinnt die Zeichnung, ihre spezifische ästhetische Form und die Unmittelbarkeit des graphischen Ausdrucks zunehmend an Bedeutung. Das memorierende und entwerfende Zeichnen wird als Konstruktionsinstrument einer der Wirklichkeit angenäherten Kunst zur »Theorie« der Malerei (Ghiberti) und die Zeichnungen selbst erringen mehr und mehr den Status von Zeugnissen der Werkgenese und künstlerischen Autorschaft und werden als »Reliquien« (Vasari) des Künstlers gesammelt. Schließlich steht der Begriff »disegno« für das universelle Potential künstlerischer Erfindung an sich, für die vom Materiellen ungestörte »Idee« jedes Kunstwerks.

Das Seminar soll nach einem kurzen Überblick über Techniken und Materialien der Zeichnung durch die intensive gemeinsame Lektüre ausgewählter kurzer Textpassagen einen fundierten Einblick in Positionen zwischen 1400 und 1600 geben. Die Gültigkeit der Theoriebildung soll durch einen beständigen Blick auf die Werke selbst, ihre Techniken, Materialien und Funktionen zwischen Musterbuch und freier Entwurfsskizze, geprüft werden.
Einführende Literatur:
Disegno: der Zeichner im Bild der Frühen Neuzeit, Ausstellungskatalog Berlin, Kupfertsichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze-Altcappenberg u. Michael Thimann, München 2007.
Kemp, Wolfgang: Disegno: Beiträge zur Geschichte des Begriffs zwischen 1547 und 1607, in: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 19, 1974, 219-240.
Rosand, David: Drawing Acts: Studies in Graphic Expression and Representation, Cambridge 2002.
Westfehling, Uwe: Zeichnen in der Renaissance. Entwicklung, Techniken, Formen, Themen, Köln 1993.