Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2009/10

Veranstaltungsnr.: 40621 (Übung (Lektürekurs))

Zur Problematik der Autorschaft

Zeit:
2st., Mo. 12-14
Raum/Ort:
GABF 04/358
Beginn:
2009-10-19 00:00:00

Inhalte:
Was ist eigentlich ein Künstler? Ist der Künstler das reale Individuum "hinter" dem Werk oder ein lediglich in diesem in Erscheinung tretendes Phänomen und damit selbst bereits Teil des Werks? Welche Relevanz hat die Biographie oder die Psyche des Autors als Urheber eines Kunstwerkes? Welcher Stellenwert kommt den Aussagen über die eigenen Arbeiten zu und inwiefern muss man diese bei der Analyse eines Kunstwerkes berücksichtigen? Oder anders gefragt: Spricht man dem Künstler eine für die Werkaussage bedeutsame Relevanz ab und verlagert das Gewicht auf das Werk selbst, den Betrachter oder Kritiker/Theoretiker, aus welchen Gründen könnte dies geschehen und mit welchen Argumenten könnte ein solches Unterfangen plausibel gemacht werden?



Diesen und ähnlichen Fragestellungen wollen wir im Lektürekurs anhand von zentralen Texten nachgehen. Der Schwerpunkt wird dabei auf Roland Barthes „Der Tod des Autors“ von 1968 und Michel Foucaults „Was ist ein Autor“ von 1969 gelegt. Diese mittlerweile kanonisch gewordenen Texte haben vor gut 40 Jahren in ihrer radikalen Hinterfragung des autonom agierenden Künstlersubjekts eine Wende in der Autorschafts-Debatte in Gang gesetzt, die auch heute noch die Beschäftigung mit dem Autor/Künstler - und sei es in Form von „Wiederbelebungsbestrebungen“ oder einer postulierten „Rückkehr“- prägt.



Um verstehen zu können, was diese unter dem Schlagwort „Tod des Autors“ geführte Debatte eigentlich verhandeln wollte und wer da eigentlich „gestorben“ ist, werden wir zunächst in einem in die Thematik einführenden Vorlauf damit beginnen, die Vorstellungen vom Künstlergenius, von schöpferischer Authentizität und Originalität kennen zu lernen und sie im Kontext neuzeitlicher Subjektivität zu verorten.
Dabei werden wir uns dezidiert mit kunsthistorischen Positionen beschäftigen, die, sei es mit Hilfe von biographischen Daten, psychoanalytischen Analysemustern oder hermeneutischen Fragestellungen, dem Künstler als realem Individuum eine gewichtige Stellung einräumen.



Ziel des Lektürekurses kann es sicher nicht sein, eine endgültige Definition dessen, was ein Künstler ist zu erarbeiten, sondern einen Einstieg in die Thematik einer problematisierten Autorschaftsdebatte zu leisten, vor dessen Hintergrund dann auch gegenwärtige Autorschaftsreflexionen greifbarer werden sollen.
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Teilnahmebedingung ist die Bereitschaft, die ausgewählten Textauszüge zu lesen und aktiv an der Diskussion in den jeweiligen Sitzungen teil zu nehmen.

In der ersten Sitzung wird ein Reader bereitgestellt.