Vorlesungsverzeichnis Sommersemester 2018

Veranstaltungsnr.: 040631 (Grundseminar)

Industriefotografie

Dozent/in:
Dr. Kathrin Rottmann

Zeit:
Di. 16-18 und Workshop am 28.6.2018
Raum/Ort:
GA 03/49
Beginn:
17.04.2018
Workload:
60 h oder 240 h
Kreditpunkte:
2 oder 8 CP

Inhalte:
Die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zahlreich hergestellten Industriefotografien besitzen keinen institutionellen Ort, sondern befinden sich in der Regel in Firmenarchiven, Nachlässen, Industrie- und Technikmuseen oder reproduziert in historischen Publikationen. Sie sind Speicher von Material- und Produktionswissen und wurden genutzt, um in werkseigenen Schriften oder illustrierten Magazinen die soziale und industrielle Organisation innerhalb der Fabriken anschaulich und die industriellen Produktionsprozesse überhaupt öffentlich sichtbar zu machen. Doch eine "Photographie der Kruppwerke oder der A.E.G.", so gab Walter Benjamin, Brecht zitierend, zu bedenken, "ergibt beinahe nichts über diese Institute." Das Seminar widmet sich den in unterschiedlichen Kontexten produzierten und publizierten Fotografien, die sowohl von unbekannten Fotografen als auch von Fotografinnen der Avantgarde angefertigt wurden, die unentdeckt in Archiven überdauern, bisweilen im Museum als Inbegriff moderner Fotografie präsentiert werden und die in der Kunstgeschichte erst Beachtung fanden, als die Fabriken, in denen sie entstanden, bereits stillgelegt waren. Exemplarisch soll diskutiert werden, wie die "Institute" präsentiert wurden, was in Industriefotografien "Künstliches, Gestelltes", wie Benjamin bzw. Brecht es nannte, aufgebaut wurde, wie die Arbeit, Industrie und deren Produkte inszeniert und als visuelle Argumente für heterogene Zwecke ins Bild gerückt wurden. Wie ist angesichts von viel beschworener Rationalisierung und Maschinisierung der Produktion das Verhältnis von Hand- und Maschinenarbeit gestaltet? Und wie wurde im Medium Fotografie, dessen Bildträger längst selbst industriell produziert wurden, industrielle Produktion thematisiert?
Ein Teil des Seminars besteht aus einem eintägigen Workshop am 28.6.2018 an der RUB.
Einführende Literatur:
Reinhard Matz (Hg.): Industriefotografie - aus Firmenarchiven des Ruhrgebiets, Essen 1987
Ausst.-Kat. Pathos der Sachlichkeit. Die Entdeckung der Schönheit der Industriekultur, Ludwig Galerie Schloss Oberhausen 2001
Bernd Stiegler: Technikfotografien aus dem Reich der Freiheit und der Notwendigkeit, in: Monatshefte 2, 2017, S. 270-281
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 12. Februar (ab 12 Uhr) bis zum 30. April (bis 18 Uhr) über CAMPUS. Danach sind Anmeldungen nicht mehr möglich.

Die versierte, eigenständige Nutzung wissenschaftlicher Diskursformen in Wort und Schrift (Produktion und Rezeption) wird stets optimiert und in der Gruppe reflektiert. Die kommunikativen Fähigkeiten werden zudem durch eine vor Originalen geschulte Wahrnehmung auf fortgeschrittenem Niveau ausgebaut. Wissens- und Kompetenzerwerb und die damit einhergehende Kreditierung setzt daher die kontinuierliche aktive Teilnahme am dialogischen Austausch im Plenum voraus.

Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit "nicht ausreichend" bewertet. In CAMPUS erfolgt der Eintrag "nicht bestanden". Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.