Vorlesungsverzeichnis Sommersemester 2017

Veranstaltungsnr.: 040648 (Hauptseminar B.A. / M.A.)

Spuren - Mythen - Erinnerung. Zur Kunst der 1970er Jahre

Dozent/in:
Prof. Dr. phil. Richard Hoppe-Sailer

Zeit:
Mo, 14:00 - 16:00
Raum/Ort:
GA 6/62 Sammlungsraum
Beginn:
24.04.2017

Inhalte:
Als Harald Szeemann 1972 im Rahmen der von ihm kuratierten documenta 5 eine Abteilung unter dem Titel Individuelle Mythologie einrichtete, nahm er künstlerische Tendenzen auf, die er bereits drei Jahre zuvor in der Kunsthalle Bern unter dem Titel Live in your head: When Attitudes become Form. Werke Konzepte Prozesse ? Situationen Information erstmals vorgestellt hatte. Damit rückte er Werkprozesse in den Fokus seiner Ausstellung, nicht mehr die Idee eines abgeschlossenen Werks. Diese Werkprozesse waren oftmals mit der Untersuchung der Strukturen privater Erinnerung, der Konstruktion individueller Mythologien oder der Befragung alltäglicher Spuren als Indikatoren gesellschaftlicher Prozesse verbunden. Damit erweiterte sich das Feld der Kunst radikal. Parallel dazu finden sich in den Geisteswissenschaften ebenfalls Tendenzen, die eine neue, auf individuelle Erfahrungen und Erzählungen basierende Geschichtswissenschaft entwickeln (Oral History), oder die sich mit Strukturen des Erinnerns (Jan Assmann) sowie einer Neubestimmung des Mythosbegriffs (Hans Blumenberg, Claude Levi-Strauss) befassen. Im Laufe des Seminars sollen diese Entwicklungen nachgezeichnet und analysiert werden. Dabei sollen sowohl einzelne Werkkomplexe ausgewählter Künstler (u.a.: Christian Boltanski, Nancy Graves, Jochen Gerz, Nikolaus Lang, Paul Thek) als auch umfassende kuratorische Konzepte der Zeit im Mittelpunkt der Diskussion stehen. Die Ansätze Harald Szeemanns und Johannes Cladders, des langjährigen Leiters des Städt. Museums (heute: Museum Abteiberg) in Mönchengladbach, spielen dabei eine besondere Rolle.