Vorlesungsverzeichnis Sommersemester 2016

Veranstaltungsnr.: 40657 (Hauptseminar M.A.)

Zwischen Gottesdienst und Außendarstellung: Frühneuzeitlicher Sakralbau

Zeit:
Di. 16-18
Raum/Ort:
GABF 04/516
Beginn:
19.04.2016
Workload:
60h, 90h oder 210h
Kreditpunkte:
2, 3 oder 7 CP

Inhalte:
Kirchenbauten waren während der konfessionellen Auseinandersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts einem hohen Innovationsdruck ausgesetzt. Die Gründe hierfür lagen sowohl im geänderten kirchlichen Selbstverständnis wie auch in anderen architektonischen Mitteln als im Mittelalter: Der evangelische Ritus verlangte mit seiner Orientierung auf das Wort und mit seiner Einbindung in die ständische Gesellschaft neue architektonische Angebote, katholische Kirchen setzten seit dem Tridentinischen Konzil (1545-63) verstärkt auf die Sichtbarkeit der eucharistischen Handlung. Neue Orden, insbesondere die Gesellschaft Jesu, versuchten durch sinnliche, aus dem Theater stammende Strategien eine innere Beteiligung der Gläubigen zu erreichen. Dabei eignete sich die bildhafte, auf Decorum (Angemessenheit) ausgerichtete Architektur der Frühen Neuzeit besonders gut für einen Kirchenbau, der Fürsten, Stiftern, Klöstern und aufstrebenden Orden als Repräsentation und Legitimation diente. In gegenseitigen Bezugnahmen zeigte sich die Konkurrenz zwischen solchen Personen oder Gemeinschaften und sorgte für das, was Martin Warnke das „Anspruchsniveau“ nennt. Das Seminar steckt mit den beiden Polen Gottesdienst und Außendarstellung das Spannungsfeld des frühneuzeitlichen Sakralbaus ab und zeigt dessen typologische Entwicklung auf. Im Fokus steht dabei die Frage, wie der jeweilige Zweck des Kirchenbaus - die Ausübung kultischer Handlungen - durch Architektur jeweils ermöglicht wurde. Damit wird eine jüngere Forschungsrichtung, die Fragen des Zwecks und der Nutzung von Sakralbauten stärker berücksichtigt, auf die Frühe Neuzeit übertragen.
Einführende Literatur:
Engelberg, Meinrad von: Renovatio Ecclesiae. Die „Barockisierung“ mittelalterlicher Kirchen, Petersberg 2005
Fürst, Ulrich: Die Erneuerung der Sakralarchitektur im Zeitalter der konfessionellen Auseinandersetzung, in: Als Frieden möglich war. 450 Jahre Augsburger Religionsfrieden, hg. von Carl A. Hoffmann u.a., Regensburg 2005, S. 182-196
Jöchner, Cornelia: Gebaute Entfestigung. Architekturen der Öffnung im Turin des frühen 18. und 19. Jahrhunderts, Berlin / Boston / München 2015
Lukken, Gerard: Die architektonischen Dimensionen des Rituals, in: Liturgisches Jahrbuch 39, 1989, S. 19-36
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 22. Februar (ab 12 Uhr) bis zum 30. April (bis 18 Uhr) über CAMPUS.

Die versierte, eigenständige Nutzung wissenschaftlicher Diskursformen in Wort und Schrift (Produktion und Rezeption) wird stets optimiert und in der Gruppe reflektiert. Die kommunikativen Fähigkeiten werden zudem durch eine vor Originalen geschulte Wahrnehmung auf fortgeschrittenem Niveau ausgebaut. Wissens- und Kompetenzerwerb und die damit einhergehende Kreditierung setzt daher die kontinuierliche aktive Teilnahme am dialogischen Austausch im Plenum voraus.

Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit „nicht ausreichend“ bewertet. In CAMPUS erfolgt der Eintrag „nicht bestanden“. Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.