Vorlesungsverzeichnis Sommersemester 2013

Veranstaltungsnr.: 40655 (Hauptseminar M.A.)

Stadt bauen, Stadt darstellen: von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart

Zeit:
Mi. 16-18
Raum/Ort:
GA 04/149
Beginn:
17.04.2013
Workload:
60h, 90h oder 210h
Kreditpunkte:
2, 3 oder 7 CP

Inhalte:
Die neuzeitliche und die moderne Stadt gehen beide auf je spezifische Weise aus Fragen der (Raum)Ordnung hervor, die sich insbesondere in Problemen der Grenze – sowohl nach außen wie im Innern – kristallisieren: Der Neubefestigung in der Frühen Neuzeit schließt sich eine lange Phase der Entfestigung an, gefolgt von der explosiven Ausdehnung der Städte ab dem späten 19. Jh. bis hin zu heutigen Formen von ‚Zwischenstadt‘, die eine Auflösung der städtischen Einheit akzeptiert. Diesen politisch und ökonomisch bedingten Wandlungen der Stadtgestalt begegnet man ab dem 15. Jh. verstärkt durch Modelle der Planung, die ihre eigenen Instrumente, Techniken und Darstellungsmuster ausbildet. Mit der absichtsvoll geplanten Stadt wird zudem eine besondere evolutive Funktion in der Gesellschaft verknüpft: Sowohl die fürstliche Planstadt, die frühindustrielle Utopie als auch die postmoderne Freizeit-Stadt entwirft zugleich einen anderen Menschen. Hatte die Kunst lange Zeit ihren festen Platz bei der Ausgestaltung der Städte, wandert sie im Zuge ihrer Musealisierung im 19. Jh. zunehmend aus dem Außenraum ab, der seinerseits Gestaltqualitäten verliert und in dem die moderne ‚Platzscheu‘ regiert. Gleichwohl wird die sich rasant wandelnde Großstadt als ein Produkt des technischen Fortschritts auch zum Inbegriff künstlerischer Modernität, bis diese Faszination zunehmend ambivalent wird oder sich gar zur künstlerischen Urbanismuskritik wandelt. Schließlich täuschen weder die Visionen einer modernen, grünen Stadt noch die emanzipatorischen Architekturutopien der 1960er Jahre über einen grundlegenden Verlust an Urbanität hinweg.
Die kunstgeschichtliche Stadtforschung, die Fragen der Gestaltung fokussiert, kann besonders auf zwei Aspekte zugreifen: die gebaute und die dargestellte Stadt (die sich auch in den Forschungen der beiden Seminarleiterinnen spiegeln). Unter dieser Doppelperspektive gibt das Seminar einen problembezogenen Überblick über die neuzeitliche und moderne Stadtentwicklung anhand ausgewählter Werke, die in Form von Referaten bearbeitet werden. Anstelle einer chronologischen Gliederung verfolgt das Seminar eine problemorientierte Vorgehensweise, um über 2-3 Sitzungen hinweg Werke, die aus verschiedenen Epochen stammen und von der Architektur des Stadttors bis zum Film reichen, unter folgenden Oberthemen zu untersuchen: 1) Wie fängt ‚Stadt‘ an; 2) Die Befestigung/Begrenzung der Stadt; 3) Innere Grenzen; 4) Öffentlicher Raum; 5) Moderne Großstadt; 6) Postmoderne Stadt. Das Ziel ist, auf diese Weise zu einer stärkeren Verschränkung einzelner Themenbereiche zu kommen. Das Seminar dient der Vorbereitung einer Internationalen Tagung im WS 2013 und steht in Verbindung mit der Vorlesung von Prof. Jöchner. Es wird auch zur Vorbereitung der Großexkursion von Jun.Prof. Urban nach Paris im SoSe 2013 empfohlen.

Literatur:
Spiro Kostof, Die Gestalt der Stadt. Geschichte städtischer Vielfalt, Frankfurt/New York 1992
Cornelia Jöchner (Hg.), Räume der Stadt. Von der Antike bis heute, Berlin 2008
Annette Urban, Interventionen im public/private space. Die Situationistische Internationale und Dan Graham, Berlin 2013
Burcu Dogramaci (Hg.), Großstadt. Motor der Künste in der Moderne, Berlin 2010
van Schaik, Martin (Hg.), Exit Utopia. Architectural Provocations 1956–76, München 2005
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. März (ab 12 Uhr) bis zum 30. April (bis 18 Uhr) über VSPL. Danach sind Anmeldungen nicht mehr möglich. TeilnehmerInnen, die häufiger als zweimal unentschuldigt fehlen, werden am Ende des Semesters automatisch gelöscht. Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit „nicht ausreichend“ bewertet. In VSPL erfolgt der Eintrag „nicht bestanden“. Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.