Vorlesungsverzeichnis Sommersemester 2013

Veranstaltungsnr.: 40650 (Hauptseminar B.A.)

Lateinamerikanische und brasilianische Kunst des 20. Jahrhunderts

Zeit:
Fr. 19.4.2013, 16-20h, Sa. 4.5.2013, 10-16h; Sa. 25.5. 2013, 10-16h, Sa. 22.6.2013, 10-16h, Sa. 8.6.2013, 10-16h
Raum/Ort:
GBCF 05/709
Beginn:
19.04.2013
Workload:
60h oder 270h
Kreditpunkte:
2 oder 9 CP

Inhalte:
Das Interesse an lateinamerikanischer Kunst und Kultur in Europa und speziell im deutschsprachigen Raum scheint sich einer wachsenden Konjunktur zu erfreuen. Hierfür spricht beispielsweise der erneute Ehrengastauftritt von Brasilien auf der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr, nachdem erst 2010 Argentinien dieser Einladung gefolgt war. Gleichzeitig mehren sich Ausstellungen im Kunstbetrieb: darunter, Vibración – Moderne Kunst aus Lateinamerika (Bonn, 2010), Neoconcretismo und zeitgenössische Kunst aus Brasilien (Berlin, 2010) oder Realidad y Utopia – Argentiniens künstlerischer Weg in die Gegenwart (Berlin, 2010). Indem sich diese Ausstellungen auf abstrakte oder geometrisch-abstrakte Ansätze konzentrierten, rückten sie bisher weniger beachtete Tendenzen moderner Kunst aus Lateinamerika auf der anderen Seite des Atlantiks in ein neues Licht. Nach wie vor sind allerdings vereinfachende Sichtweisen – etwa Frida Kahlo als den Prototypen lateinamerikanischer Kunst zu erachten – und damit verbundene stereotype Vorstellungen einer exotischen und magischen Identität wirksam, zu deren Verfestigung Ausstellungen wie Art of the Fantastic – Latin America 1920-1987 beigetragen haben.
Die Bezeichnung „lateinamerikanische Kunst“ ist alles andere als unproblematisch, vor allem da sie die Idee eines homogenen Gesamtphänomens vortäuscht, wo eine Vielzahl heterogener Realitäten zusammentreffen: mit Brasilien umfasst Lateinamerika 20 Länder, die in sich wiederum starke soziale, politische und kulturelle Diversitäten aufweisen. Besteht ein großes Anliegen des Seminars darin, ein differenziertes Verständnis von den künstlerischen Landschaften Lateinamerikas und Brasiliens im 20. Jahrhundert zu vermitteln, werden wir mit der Diskussion dieser grundlegenden Problematiken und der Verwendbarkeit kulturtheoretischer Konzepte („Hybridisierung“, „Transkulturation“, „Synkretismus“ oder „Aneignung“), einen kritischen Einstieg unternehmen.
Nach einer Beschäftigung mit dem Beginn moderner Kunst und daran anschließenden Strömungen und Einzelpositionen in Ländern wie Argentinien, Brasilien, Chile, Kuba, Mexiko, Peru oder Uruguay, werden wir unseren Fokus auf die Entwicklung in Brasilien richten, von Antropofagia zu Tropicália.
Ein weiterer Schwerpunkt des Seminars liegt schließlich auf der Vermittlung und Rezeption lateinamerikanischer Kunst in den USA, Europa und im deutschsprachigen Raum, wobei wir die Politiken verschiedener Ausstellungen genauer untersuchen werden.

Vorbereitende Lektüre:

Aus dem Moore, Elke: Entre Pindorama. Die Adaption anthropophager Ideen und Strategien. In: VIDC / Kulturen in Bewegung (Hgs.) (2007) Blickwechsel. Lateinamerika in der zeitgenössischen Kunst. Bielefeld: transcript, 87-104.

Mosquera, Gerardo: Against Latin American Art. In: Kotsopoulos, Nikos (Hg.) (2010) Contemporary Art in Latin America. London: Black Dog, 12-23.
Osthoff, Simone (2009): Connotations of Place: How Latin American Art is changing the canonical history of twentieth-century art. Manuskript für den Congress of Latin American Studies Association, Rio de Janeiro, 11.-14.06.2009. Internetquelle (Stand: Februar 2013): http://lasa.international.pitt.edu/members/congress-papers/lasa2009/files/OsthoffSimone.pdf.

Ramírez, Mari Carmen: Beyond „the Fantastic“. Framing Identity in U.S. Exhibitions of Latin American Art. In: Art Journal, vol.51, no. 4, winter 1992, 60-68.

Schmutz, Hemma: Wir sind gleichzeitig Schwarze, Indios, Weiße oder: A pureza e um mito (Hélio Oiticica). In: VIDC / Kulturen in Bewegung (Hgs.) (2007) Blickwechsel. Lateinamerika in der zeitgenössischen Kunst. Bielefeld: transcript, 77-86.

Sullivan, Edward J. (1993): Lateinamerikanische Künstler des 20. Jahrhunderts. In: ders. (Hg.) Lateinamerikanische Kunst im 20. Jahrhundert. München: Prestel, 11-51.

Diese Texte sowie eine ausführliche Literaturliste werden zu Semesterbeginn online zu Verfügung gestellt. Diese werden ebenfalls als Kopiervorlagen und weiterer relevanter Literatur in einem Semesterapparat gesammelt.
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. März (ab 12 Uhr) bis zum 30. April (bis 18 Uhr) über VSPL. Danach sind Anmeldungen nicht mehr möglich. TeilnehmerInnen, die häufiger als zweimal unentschuldigt fehlen, werden am Ende des Semesters automatisch gelöscht. Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit „nicht ausreichend“ bewertet. In VSPL erfolgt der Eintrag „nicht bestanden“. Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.