Vorlesungsverzeichnis Sommersemester 2013

Veranstaltungsnr.: 40631 (Grundseminar)

Frühneuzeitliche Gartenkunst in Europa

Zeit:
Di. 10-12
Raum/Ort:
GA 6/62
Beginn:
16.04.2013
Workload:
60h oder 180h
Kreditpunkte:
2 oder 6 CP

Inhalte:
Was sich im 15. Jh. als „Entdeckung der Natur“ in der Kunst zeigt, kennzeichnet einen grundlegenden Wechsel: der Mensch versteht sich nicht mehr ausschließlich als Teil des göttlichen Schöpfungsplans, sondern positioniert sich der Welt gegenüber als selbständig, was vor allem eine neuartige Hinwendung zu seiner unmittelbaren Umgebung bedeutete. Dieser umfassende Wandel zu Beginn der Neuzeit zeigt sich in der Anlage von Gärten, wie man sie seit der Antike nicht mehr gekannt hatte. Ausgehend von einzelnen Villenbauten in Italien entwickelte sich um 1500 eine neuartige Gartengestaltung in geometrischen Formen, die bald auch französische Schloßanlagen kennzeichnete. Pläne und Entwürfe solcher Anlagen kursierten in Stichwerken, die zusammen mit ebenfalls entstehenden Traktaten die Ansprüche einer eigenen Kunstgattung mit Terminologie, Theorie und Kritik formulierten. Die Beziehungen zwischen Architektur und Garten, die sich im 16. Jh. ansatzweise entwickelten, wurden unter den Bedingungen der fürstlichen Herrschaft im 17. und frühen 18. Jh. zu einem äußerst differenzierten Bezugssystem. Es ergänzte die Hierarchie der Schloßarchitektur durch eine abgestufte Folge von Blumen- und Zierbeeten, Heckenbosketts, Wasserkünsten und ausgedehnten Parkteilen. Dieser Außenraum konnte aufgrund seiner Vielgliedrigkeit für die Feste der frühneuzeitlichen Höfe dienen und wurde ein Teil von deren prachtvoller Repräsentation. Anläßlich der 300. Wiederkehr des Geburtsjahres von André Le Nôtre, dem französischen Gartenkünstler unter Ludwig XIV., verfolgt das Seminar die Ausprägung der frühneuzeitlichen Gartenkunst anhand wichtiger Werke in ganz Europa und führt in diese Kunstgattung ein. Dabei steht nicht nur die Frage des Bezugs von Architektur und Garten im Mittelpunkt, sondern auch die Wirkung der neuartigen formalen Gartenkunst auf die frühneuzeitliche Stadt- und Landesplanung. Mit Tagesxkursion am 1.5.2013.

Einführende Literatur:
Wilfried Hansmann, Gartenkunst der Renaissance und des Barock, 2. Aufl., Köln 1988
Cornelia Jöchner, Die ‚schöne Ordnung‘ und der Hof. Geometrische Gartenkunst in Dresden und anderen deutschen Residenzen, Weimar 2001
Mirka Beneš/Dianne Suzette Harris (Hg.), Villas and gardens in early modern Italy and France, Cambridge 2001
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. März (ab 12 Uhr) bis zum 30. April (bis 18 Uhr) über VSPL. Danach sind Anmeldungen nicht mehr möglich. TeilnehmerInnen, die häufiger als zweimal unentschuldigt fehlen, werden am Ende des Semesters automatisch gelöscht. Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit „nicht ausreichend“ bewertet. In VSPL erfolgt der Eintrag „nicht bestanden“. Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.