Vorlesungsverzeichnis Sommersemester 2013

Veranstaltungsnr.: 40602 (Vorlesung)

Gebändigt und entfesselt – Transformationen der ‚heidnischen’ Götter in der christlichen Bildkultur – Teil 2

Zeit:
Di. 14-16
Raum/Ort:
HGA 10
Beginn:
16.04.2013
Workload:
60h
Kreditpunkte:
2 CP

Inhalte:
Welche Verhaltensmuster entwickelt eine bestimmte Kultur gegenüber einer anderen, längst vergangenen, die einerseits als Wurzel ihrer selbst gilt, andererseits jedoch das schlechthin Andere repräsentiert? Diese Frage lässt sich mit besonderer Berechtigung auf das Verhältnis des abendländisch-christlichen Mittelalters zur ‚heidnisch’-römischen Antike beziehen. Denn im Mittelalter bezog man sich in hohem Maße auf bestimmte Darstellungstraditionen der Antike (zum Beispiel Motive aus der Herrscher- und Philosophenikonographie), distanzierte sich jedoch zugleich von ganz zentralen Bereichen der antiken Bildkultur, insbesondere von dem, was man Götzenverehrung (Idolatrie) nennt. Diese war sogar das maßgebliche Kriterium für die Verabscheuungswürdigkeit der ‚heidnischen‘ Antike. Der Bildtransfer ‚paganer‘ Götter der Antike in die mittelalterliche Bildkultur trifft den heikelsten Punkt dieser Spannung, da aufgrund des Idolatrieverdachts die Darstellungswürdigkeit dieser Götter besonders in Frage stehen musste. Dementsprechend fragt sich, welche Art von Transformierungen geleistet werden musste und geleistet wurde, um die Spannungen zwischen Aneignungsbedarf und Ablehnung zu überbrücken, und unter welchen Rahmenbedingungen und mit welchen Strategien eine Integration gelingen konnte. Da die Bildmonumente selbst die wichtigsten und oft einzigen Zeugen dieser Phänomene sind, zielen die Analysen besonders darauf, das implizite Wissen um die jeweiligen medialen Bedingungen und Möglichkeiten herauszuarbeiten.
Während im Sommersemester 2012 das frühe und hohe Mittelalter im Zentrum des Interesses standen, wird diesmal das Spätmittelalter inklusive der Frage der Epochenschwelle zur frühen Neuzeit diskutiert. Der Besuch des ersten Teils der Vorlesung wird nicht vorausgesetzt.

Literatur:
Erwin Panofsky und Fritz Saxl, Classical Mythology in Mediaeval Art, in: Metropolitan Museum Studies IV, 1932/33, S. 228-280.
Jean Seznec, Das Fortleben der antiken Götter. Die mythologische Tradition im Humanismus und in der Kunst der Renaissance, München 1990.
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. März (ab 12 Uhr) bis zum 30. April (bis 18 Uhr) über VSPL. Danach sind Anmeldungen nicht mehr möglich. TeilnehmerInnen, die häufiger als zweimal unentschuldigt fehlen, werden am Ende des Semesters automatisch gelöscht.