Vorlesungsverzeichnis Sommersemester 2012

Veranstaltungsnr.: 40628 (Grundseminar)

Stifterbild und Erinnerungskultur im Mittelalter

Zeit:
sechs Sitzungen Mi. 10-12h am 11.04, 18.04, 25.04, 2.05, 9.05, 16.05 und eine Blocksitzung am Fr. 18.05. 10:00-18:00 Uhr
Raum/Ort:
GABF 04/711
Beginn:
11.04.2012
Workload:
60h oder 180h
Kreditpunkte:
2 oder 6 CP

Inhalte:
Wenn von mittelalterlichen Kunsterzeugnissen die Rede ist, handelt es sich meist um Auftragsarbeiten, die in sakrale Kontexte eingebettet sind. Darstellungen nicht kanonischer, historischer Persönlichkeiten fallen in diesem Zusammenhang fast ausnahmslos unter die Kategorie des Stifterbildes.
Die Beschränkung dieser Bildkategorie auf den sakralen Raum geht auf die Memoria (Jenseitsvorsorge) zurück, welche sich an die nachfolgenden Generationen richtet und in deren Kontext das Stifterbildnis entsteht. Da das Stifterbildnis optisch eine Art von „Rechtsgeschäft“ dokumentiert, das zwischen den kirchlichen Vertretern der jeweiligen Institution und dem Stifter geschlossen wurde, sind Stiftungen und Jenseitsvorsorge unmittelbar miteinander verknüpft. Diese Verknüpfung basiert auf der Polarität von Erlösungshoffnung und Höllenangst im Hinblick auf den Tag des Jüngsten Gerichts. Damit einher geht das Bedürfnis nach Fürbitte und Buße, welche die Linderung der Pein im Fegefeuer und die Aufnahme ins Himmelreich garantieren sollen. Die Darstellung der weltlichen Persönlichkeiten im Kreise der Heiligen war dabei allerdings nicht unproblematisch und stellt eine der zentralen Aufgaben dar, die vom Künstler hier gelöst werden musste.
Im Rahmen des Seminars wird deshalb in sechs Sitzungen der Frage nach den unterschiedlichen Funktionen der Stifterdarstellungen und den ihnen zugrunde liegenden religiösen Vorstellungen, den theologischen Grundlagen und den künstlerischen Problemlösungen an repräsentativen Beispielen unterschiedlicher Gattungen nachgegangen. Die hier gewonnen Erkenntnisse sollen schließlich von den Studierenden in einem ganztägigen Ausstellungsbesuch durch Studien am Einzelobjekt vertieft werden.
Da die maximale TeilnehmerInnenzahl auf 25 Personen begrenzt werden muss, ist die Anmeldung am Seminar verbindlich ebenso wie die Anwesenheit in der Einführungssitzung!

Einführungsliteratur:
Ulrike Bergmann, Prior omnibus autor. An höchster Stelle aber steht der Stifter, in: Anton Legner (Hg.), Ausst.-Kat.: Ornamenta Ecclesiae. Kunst und Künstler der Romanik (Schnütgen Museum, Köln 1985), Bd. I, Köln 1985, S. 117-148.
Klaus Gereon Beuckers, Das Ottonische Stifterbild. Bildtypen, Handlungsmotive und Stifterstatus in Ottonischen und frühsalischen Stifterdarstellungen, in: Klaus Gereon Beuckers, Johannes Cramer, Michael Imhof (Hg.), Die Ottonen. Kunst-Architektur- Geschichte, Naumburg 2002, S. 63-102.
Himmel, Hölle, Fegefeuer. Das Jenseits im Mittelalter, hg. von Peter Jezler (Ausst.-kat. London 1999), London 1999.
Caroline Horch, Der Memorialgedanke und das Spektrum seiner Funktionen in der Bildenden Kunst des Mittelalters, Kleve 2001.
Hans Rudolf Meier, Carola Jäggi, Philippe Büttner (Hg.), Für irdischen Ruhm und himmlischen Lohn. Stifter und Auftraggeber in der mittelalterlichen Kunst, Berlin 1995.
Otto Gerhard Oexle, Memoria und Memorialbild, in: Karl Schmid und Joachim Wollasch (Hg.), Memoria. Der geschichtliche Zeugniswert des liturgischen Gedenkens im Mittelalter (Münstersche Mittelalter-Schriften, 48), München 1984, S. 384-440.
Bruno Reudenbach, Indiviuum ohne Bildnis? Zum Problem künstlerischer Ausdrucksformen von Individualität im Mittelalter, in: Jan A. Aertsen, Andreas Speer (Hg.), Individuum und Individualität im Mittelalter, (Miscellanea Mediaevalia. Veröffentlichungen des Thomas-Instituts der Universität Köln, 24), Berlin 1996, S. 807-818.

Scheinerwerb:
Großer Leistungsschein: Regelmäßige und aktive Teilnahme, Referat und Hausarbeit (10-15 Seiten) sowie das Erstellen von insgesamt drei Textexzerpten (frei wählbar aus den zu lesenden Texten für die jeweils folgende Sitzung). Die Referatthemen werden Anfang März am Schwarzen Brett ausgehängt; lediglich die Themen der ersten drei Sitzungen können dann sofort belegt werden.
Kleiner Leistungsschein: Regelmäßige und aktive Teilnahme, Referat sowie das Erstellen von insgesamt drei Textexzerpten (frei wählbar aus den zu lesenden Texten für die jeweils folgende Sitzung).
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Max. 25 Teilnehmer!

Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. März (ab 12 Uhr) bis zum 30. April (bis 12 Uhr) über VSPL. Danach sind Anmeldungen nur im Falle freier Plätze möglich. Teilnehmer, die häufiger als zweimal unentschuldigt fehlen, werden am Ende des Semesters automatisch gelöscht. Die Übernahme seminarischer Beiträge wie Referate oder mündl. Prüfungen sind als Studienleistung verbindlich. Sollten Sie einen Termin ohne triftigen Grund versäumen oder kurzfristig absagen, wird die Leistung mit „nicht ausreichend“ bewertet. In VSPL erfolgt der Eintrag „nicht bestanden“. Dies gilt auch für geleistete Beiträge, die nicht den Ansprüchen eines kleinen Leistungsnachweises genügen.