Vorlesungsverzeichnis Sommersemester 2012

Veranstaltungsnr.: 40602 (Vorlesung)

Gebändigt und entfesselt – Transformationen der ‚heidnischen‘ Götter in der christlichen Bildkultur

Zeit:
Di. 16-18h
Raum/Ort:
HGA 20
Beginn:
10.04.2012
Workload:
60h
Kreditpunkte:
2 CP

Inhalte:
Welche Verhaltensmuster entwickelt eine bestimmte Kultur gegenüber einer anderen, längst vergangenen, die einerseits als Wurzel ihrer selbst gilt, andererseits jedoch das schlechthin Andere repräsentiert? Diese Frage lässt sich mit besonderer Berechtigung auf das Verhältnis des abendländisch-christlichen Mittelalters zur ‚heidnisch’-römischen Antike beziehen. Denn im Mittelalter bezog man sich in hohem Maße auf bestimmte Darstellungstraditionen der Antike (zum Beispiel Motive aus der Herrscher- und Philosophenikonographie), distanzierte sich jedoch zugleich von ganz zentralen Bereichen der antiken Bildkultur, insbesondere von dem, was man Götzenverehrung (Idolatrie) nennt. Diese war sogar das maßgebliche Kriterium für die Verabscheuungswürdigkeit der ‚heidnischen‘ Antike. Der Bildtransfer ‚paganer‘ Götter der Antike in die mittelalterliche Bildkultur trifft den heikelsten Punkt dieser Spannung, da aufgrund des Idolatrieverdachts die Darstellungswürdigkeit dieser Götter besonders in Frage stehen musste. Dementsprechend fragt sich, welche Art von Transformierungen geleistet werden musste und geleistet wurde, um die Spannungen zwischen Aneignungsbedarf und Ablehnung zu überbrücken, und unter welchen Rahmenbedingungen und mit welchen Strategien eine Integration gelingen konnte. Da die Bildmonumente selbst die wichtigsten und oft einzigen Zeugen dieser Phänomene sind, zielen die Analysen des Projekts besonders darauf, das implizite Wissen um die jeweiligen medialen Bedingungen und Möglichkeiten herauszuarbeiten.

Literatur:
Erwin Panofsky und Fritz Saxl, Classical Mythology in Mediaeval Art, in: Metropolitan Museum Studies IV, 1932/33, S. 228-280.
William S. Heckscher, Relics of Pagan Antiquity in Mediaeval Settings, in: Journal of the Warburg Institute 1, 1937, S. 204-220.
Jean Seznec, Das Fortleben der antiken Götter. Die mythologische Tradition im Humanismus und in der Kunst der Renaissance, München 1990.
Georges Didi-Huberman, Georges, Das Nachleben der Bilder. Kunstgeschichte und Phantomzeit nach Aby Warburg, übers. von Michael Bischoff, Frankfurt a. M. 2010.
Voraussetzungen für die Vergabe von Kreditpunkten:
Die An- und Abmeldung zu der Veranstaltung erfolgt vom 1. März (ab 12 Uhr) bis zum 30. April (bis 18 Uhr) über VSPL. Danach sind Anmeldungen nicht mehr möglich. Teilnehmer, die häufiger als zweimal unentschuldigt fehlen, werden am Ende des Semesters automatisch gelöscht.