Schon die Antike verfolgte in Theorie und Praxis den Gedanken der Mimesis, der Naturnachahmung. Einer vielzitierten Legende zufolge stellte der große Maler Zeuxis Weintrauben so naturnah dar, dass Vögel sie aufzupicken versuchten. Sein Künstlerkollege Parrhasios wiederum übertraf das Kunststück: Er malte einen Vorhang, der scheinbar ein Bild verdeckte, und täuschte damit selbst seinen kritischen Konkurrenten: Zeuxis war versucht, den Stoff beiseite zu schieben. Die Kunst übertrifft die Realität.
Die Naturnachahmung ist im Grundsatz jedem Stillleben der
Neuzeit zu eigen. Doch in bestimmten Bildtypen zeigt sie
sich besonders konsequent.
Gijsbrecht, ein Meister der Augentäuschung, des Trompe-l'il,
führt den Blick auf eine hölzerne Atelierwand
mit Malerutensilien. Es ist ein Stillleben zum Thema der
Vergänglichkeit. Das Gemälde täuscht nicht
nur die Augen des Betrachters, es macht zugleich die Malerei
zum Gegenstand ästhetischer Wahrnehmung und kunsttheoretischer
Reflexion.



