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Raffael, Sixtinische Madonna
Raffael, Sixtinische Madonna,
1512/13, Gemäldegalerie Dresden

Raffaels Ruhm schwindet

"Im Huldigungs-Chore zu Ehren der Sixtinischen Madonna tönen die Stimmen der Romantiker am hellsten, und so lange deren Herrschaft währte, thronte sie als Kaiserin der Himmel hoch über jeder anderen regina coeli. Dann setzten Ruskins Predigten ein gegen den "schalen Glanz", gegen das "Gift" Raffaelesker Kunst, und zornig wandte sich der Puritaner von der schwarzäugigen Madonna di San Sisto, vor der ein junges Mädchen, ungestört durch Andachtsempfindungen, Schokolade trinken könne; die Goncourts verspotteten mit klingendem Rokoko-Lachen den Marienmaler für Kammerzofen, Huysmans, der Gotiker, verachtete ihn als "sourde mediocrité", die Kunst ging andere Wege, eine Sixtina-Dämmerung (...)."
(Emil Schaeffer, 1927)

"(...) Über die Dresdner Madonna? (...) ich saß zwei Stunden vor dem Bilde und ich bin enttäuscht fortgegangen (...). Heutzutage findet niemand etwas daran, weder die jungen Russen noch die Engländer. Das waren die alten Leute, die dieses Bild in Ruf gebracht hatten (...)."
(Fjodor Dostojewski, Die Dämonen, 1870)

"In der Malerei ist Raphael der größte aller Meister. So lehrte vor nur 20 oder 30 Jahren jeder Kunstpädagoge. Seitdem hat sich manches geändert. Wir mögen Raphael nicht."
(Emil Nolde, 1912)

"Die Popularität eines Bildes hängt nicht von seiner künstlerischen Bedeutung, sondern zu neun Zehnteln von dem Fremdenverkehr des Ortes ab, den ihm das Schicksal zum Aufenthalt anwies. Heute ist Raphael ein Toter."
(Emil Schaeffer, 1927)

Doch sagte Schaeffer auch, daß Heute vielleicht schon ein Gestern sei und Raffael und seine Madonna in gelassener Majestät auf bessere Zeiten warten können...

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