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Raffaels
Ruhm schwindet
"Im
Huldigungs-Chore zu Ehren der Sixtinischen Madonna tönen die Stimmen
der Romantiker am hellsten, und so lange deren Herrschaft währte,
thronte sie als Kaiserin der Himmel hoch über jeder anderen regina
coeli. Dann setzten Ruskins Predigten ein gegen den "schalen Glanz",
gegen das "Gift" Raffaelesker Kunst, und zornig wandte sich der
Puritaner von der schwarzäugigen Madonna di San Sisto, vor der
ein junges Mädchen, ungestört durch Andachtsempfindungen, Schokolade
trinken könne; die Goncourts verspotteten mit klingendem Rokoko-Lachen
den Marienmaler für Kammerzofen, Huysmans, der Gotiker, verachtete
ihn als "sourde mediocrité", die Kunst ging andere Wege,
eine Sixtina-Dämmerung (...)."
(Emil Schaeffer, 1927)
"(...)
Über die Dresdner Madonna? (...) ich saß zwei Stunden vor dem
Bilde und ich bin enttäuscht fortgegangen (...). Heutzutage findet
niemand etwas daran, weder die jungen Russen noch die Engländer.
Das waren die alten Leute, die dieses Bild in Ruf gebracht hatten
(...)."
(Fjodor Dostojewski, Die Dämonen, 1870)
"In
der Malerei ist Raphael der größte aller Meister. So lehrte vor
nur 20 oder 30 Jahren jeder Kunstpädagoge. Seitdem hat sich manches
geändert. Wir mögen Raphael nicht."
(Emil Nolde, 1912)
"Die
Popularität eines Bildes hängt nicht von seiner künstlerischen
Bedeutung, sondern zu neun Zehnteln von dem Fremdenverkehr des
Ortes ab, den ihm das Schicksal zum Aufenthalt anwies. Heute ist
Raphael ein Toter."
(Emil Schaeffer, 1927)
Doch
sagte Schaeffer auch, daß Heute vielleicht schon ein Gestern sei
und Raffael und seine Madonna in gelassener Majestät auf bessere
Zeiten warten können...
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