
Modell der Platzansicht nach der Neubebauung |
Seit dem 19. Jahrhundert vereinte der am östlichen Rand
des Leipziger Stadtzentrums gelegene Augustusplatz ein Architekturensemble mit
Kultur-, Bildungs- und Geschäftsbauten. Bereits damals diente der Platz als
Ort für Festlichkeiten, während er seit 1989 als Sammelpunkt der
Montagsdemonstrationen in Erinnerung ist. Sein Erscheinungsbild entwickelte sich
seit dem 15. Jahrhundert. Beginnend mit der Klosterkirche St. Paulus (Universitätskirche)
erhielt er vor allem im 19. Jahrhundert sein Gepräge durch das Augusteum
(1834-36 von A. Geutebrück), das Städtische Museum (1855 von L.
Lange), und das Neue Theater (1864-67 von K. F. Langhaus). |

Platzansicht mit Hotel "Deutschland" und Neuem
Gewandhaus nach Südosten

Platzansicht mit Hauptpost
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Bis zur Zerstörung durch den Luftangriff vom 4. Dezember
1944 blieb dieses Ensemble erhalten. Der Augustusplatz wurde 1945 in
Karl-Marx-Platz umbenannt, wobei anfänglich noch Ideen zur Rekonstruktion
diskutiert wurden. Erst nach der Umfunktionierung des Platzes zum Repräsentationsforum
der "Neuen Jungen Republik" wurde die historische Bebauung in den
Jahren 1956 bis 1981 sukzessive durch funktionsidentische Neubauten ersetzt.
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Neues Gewandhaus, 1977-1981, Architektenkollektiv, u.a. H.
Siegel und R. Skoda |
Hierbei handelt es sich um die neue Oper an der Nordseite, ihr
gegenüber das neue Gewandhaus, Hauptpost und Hotel "Deutschland"
im Osten sowie die Karl-Marx-Universität im Westen. Für deren Neubau
mußte 1968 die bis dahin von der Zerstörung bewahrte spätgotische
Universitätskirche weichen. Alleine die nordwestliche Geschäftszeile
mit dem dominanten Krochhaus (1929 von Bestelmeyer) ist noch aus der
Vorkriegszeit erhalten. |

Hotel "Deutschland", 1963-1965, H. Ullmann, W.
Scheibe u.a. |
Trotz dieser erheblichen Eingriffe hat der inzwischen wieder
zurückbenannte Augustusplatz seinen geschlossenen und repräsentativen
Charakter beibehalten, wenngleich sich der architektonische Ausdruck gegenüber
der Vorkriegszeit völlig verwandelt hat. |
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Die Nachkriegsbebauung des Augustusplatzes ist inzwischen ein wichtiges
Dokument für die repräsentative DDR-Baupolitik geworden. Eine
denkmalpflegerische Debatte muß vor dem Hintergrund einer
Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR geführt werden. Oper,
Hauptpost und Universität sind repräsentative Beispiele für die
von abwechselnden Leitbildern geprägte architektonische Entwicklung der
DDR. So ist die Oper gleichermaßen der internationalen Architektur der
50er Jahre verpflichtet wie auch der DDR-spezifischen Architektur der "Nationalen
Tradition". Als erstem und einzigem Opernneubau kommt ihm auch typologisch
besonderer Rang zu. |

Hauptpost, 1961-1964, K. Nowotny |
Die Hauptpost behauptet sich, gemeinsam mit dem Berliner "Haus
des Lehrers" von H. Henselmann, als erster Versuch in der DDR, Anschluß
an die internationale Moderne zu finden. Mit seiner detaillierten, fein
gegliederten Glas-Aluminium-Vorhangfassade erhält das Gebäude einen
leichten, ausdrucksvollen Charakter. |

Karl-Marx Universität, Hauptgebäude und Hochhaus
1968-1975, Architektenkollektiv, u.a. H. Henselmann

Determann und Martiensen, Augustusplatz, Modell für die
Umgestaltung 1994
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Der erste Universitätskomplex der DDR, die Leipziger "Karl-Marx-Universität",
repräsentiert das damals in der Bauleitplanung festgelegte Prinzip der
Akzentuierung der Stadtsilhouette durch Einzeldominanten. Zudem war die Bauweise
des Universitätshochhauses seinerzeit auch technisch innovativ. Der
Augustusplatz beziehungsweise seine Einzelbauten stehen zur Zeit noch nicht
unter Denkmalschutz, weshalb das Ensemble städtebaulichen Veränderungswünschen
ausgesetzt ist. Der Abriß des Hotels "Deutschland" ist erfolgt -
eine Neugestaltung der Platzfläche geplant. |