V Allgemeine Baugeschichte von Universitäten

Internationale Universitätsarchitektur und Leitbilder nach dem 2. Weltkrieg

IIT, Chicago, Architekt: Ludwig Mies van der Rohe, Alumni-Memorial-Hall, 1945-46 Aus der Überzeugung, daß die akademische Bildung für die Zukunft eines Landes von überragender Bedeutung sei, entstanden in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg in aller Welt Universitätsneubauten. Damals wurden gerade in den Ländern der sogenannten Dritten Welt prestigeträchtige Universitätsstädte geplant, obwohl dort die finanziellen Mittel zumeist unzureichend waren. Das architektonische Vokabular war von modernen Vorstellungen beeinflußt; das Bauhaus, Le Corbusier und Frank Lloyd Wright gehörten zu den prägenden Kräften. Bereits 1939 hatte Ludwig Mies van der Rohe, der ehemalige, nach Amerika emigrierte Leiter des Bauhauses, mit den Planungen für das "Illinois Institute of Technology" in Chicago begonnen. Diese bis 1959 errichtete Universität galt als ein mustergültiger moderner Hochschulbau. Mies van der Rohes Bauten sind bewußt neutral gestaltet und nicht auf einen bestimmten Nutzen bezogen. Sie sollen nach dem Willen ihres Erbauers nicht pathetisch, sondern eher streng und kontemplativ wirken.
ITT, Chicago: Kapellle St. Savior, 1949-52 Die Architektursprache wird bestimmt von einfachen Formen und einer sichtbaren Stahlskelettkonstruktion mit Ausfachungen aus Backstein und Glas. Trotzdem sind die einzelnen Bauten, wie z.B. die Gedenkhalle der Absolventen (1945-46), die Kapelle (1952) und die 'Crown Hall' (1956) bis in die Details hinein durchgestaltet.
Walter Gropius und TAC: Universität Bagdad, Eingangsbogen Die "Universität Bagdad" ist eine vollständige Neugründung aus dem Jahr 1957, entworfen von Walter Gropius und der TAC (The Architects Collaborative, Inc.). Als zu bebauendes Gelände diente ein 1,6 km² großes Areal in einer Tigrisschleife mit Inselcharakter. Die Universität ist ca. 8 km vom Stadtzentrum Bagdads entfernt und durch Straßen gut angebunden.
Walter Gropius und TAC: Universität Bagdad, Moschee Bei der Planung versuchte Gropius, die besonderen lokalen Voraussetzungen zu berücksichtigen, wozu das Klima, die moslemische Kultur die hohe Geburtenrate, aber auch die Möglichkeiten politischer Unruhen zählten. Das endgültige Programm umfaßte 273 Gebäude vom Hörsaal bis zur Wohnung, deren Anlage insgesamt einer Stadt gleichen sollte.

Walter Gropius und TAC: Universität Bagdad, Blick auf die Institutsgebäude
Die Fakultätsgebäude im Kernbereich der Universität sollten flexibel nutzbar sein und, ebenso wie die allgemein zugänglichen Aufenthaltsräume, zur Kommunikation von Studenten aus unterschiedlichen Fachrichtungen beitragen. Diese Konzeption ist mit derjenigen der Ruhr-Universität vergleichbar; auch findet sich in Bagdad eine sichtbare Stahlbetonkonstruktion, die wie an der RUB inzwischen farblich verändert wurde.

Internationale Leitbilder


Uni Caracas, Aula Magna


Universitätsbibliothek, Mexico-Stadt

Für die "Universität Caracas" hat der Architekt Carlos Raul Villaneuva ein Leitbild formuliert, dem viele Beispiele der internationalen Universitätsarchitektur nach dem Zweiten Weltkrieg, darunter auch die Ruhr-Universität, verpflichtet waren: "In der Gruppe der errichteten oder im Bau befindlichen Gebäude der Universitätsstadt enthält das architektonische System, das die Bibliothek und das Auditorium Maximum zum Mittelpunkt hat, in sich die geistige Manifestation, sowohl als Universitätsstadt als auch als Hauptstadt." Die Universität wird somit als eine heterogene Einheit interpretiert, deren Charakter weniger in die einzelnen Bauten als vielmehr durch die Gesamtanlage zum Ausdruck kommt. Dementsprechend werden nur die Zentren repräsentativ gestaltet.