»TALK.Show« in WuppertalDas Von der Heydt-Museum präsentiert die »Kunst der Kommunikation«von Stefanie Peitzmeier |
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Das Werk des in Berlin lebenden Künstlers Daniel Pflumm läßt den Choral der kommunikativen Kunstwerke einen Moment verstummen. CNN - Questions and Answers ist eine Videoinstallation aus dem Jahr 1997. Daniel Pflumm wendet sich in dieser Arbeit dem Medium Fernsehen zu - der politischen Fernsehberichterstattung. Auf zwei Bildschirmen läßt der Künstler zwei Nachrichtensprecher schweigend in die Kamera blicken. Daniel Pflumm hat die Momente des Gesprächs herausgeschnitten und nur die Gesprächszwischenräume für sein Video verwandt. Dezentes Augenblinzeln, ein leises, unterdrücktes Räuspern und abwartendes Kopfnicken ersetzen den sprachlichen Austausch. Leise untermalt von Musik, interpretiert der Betrachter die Mimik und Gestik als rhythmischen Ausdruck. Das gewohnte Wahrnehmungsverhalten des Betrachters wird gänzlich irritiert, an die Stelle größter Informationsdichte rückt skurrile Stille. Eine Treppe hinunter, eine andere hinauf, bei dem erzwungenen Gang durch die ständige Sammlung des Von der Heydt-Museums schnelle Blicke nach rechts und links auf Max Beckmanns Selbstbildnis als Clown oder Otto Dix´ Huldigung An die Schönheit. Der letzte Ausstellungsabschnitt der »TALK.Show« ist nur auf Umwegen zu erreichen. Die lautstarke Spannung des ersten Ausstellungsabschnittes verliert sich hier in einer nüchternen Dokumentation. Großflächig arrangiert präsentiert sich das 1994 entstandene Werk Verité der israelisch-amerikanischen Künstler Clegg & Guttmann dem Betrachter in seiner Benutzung als Archiv. Die amerikanische Unterhaltungsserie "Candid Camera", die in Deutschland als "Versteckte Kamera" Ahnungslose aufs Glatteis führt, ist in Videoclips präsentiert. Ergänzend dazu laden großformatige Fotos und erläuternde Schriftstücke als Dokumentensammlung den Betrachter zum Durchstöbern ein. Das Engagement und der persönliche Ehrgeiz des Museumsbesuchers, sich der »Kunst der Kommunikation« zu stellen, werden hier auf die Probe gestellt, drohen aber der Undurchsichtigkeit der Konzeption des Kunstwerkes zu erliegen. Die bunte, schrille und abwechslungsreiche »TALK.Show« stimmt in diesem letzten Teil der Ausstellung einen traurigen Schlußakkord an: Gehen die gut gemeinten Vorstellungen und Hoffnungen der Ausstellungsmacher mit denen ihrer Gäste konform? Wird die selbstinszenierte Kommunikation tatsächlich adaptiert? Erneut drängt sich die Frage nach der Übereinstimmung von theoretischem Anspruch und praktischer Nutzung in den Vordergrund. Ein Kommunikationsproblem zwischen Ausstellungsmachern und Besuchern? Gemäß der Allgegenwart von Kommunikation lädt uns das Werk des deutschen Künstlerduos M+M 12 Marias aus dem Jahr 1999 ein, den Gedanken der Ausstellung mitzunehmen: Zwölf Anrufbeantworter simulieren in ihrer Anordnung eine Expertenrunde historischer Personen mit dem Namen Maria - von Maria Magdalena bis Maria Callas. Aus jedem Anrufbeantworter erklingt die posthume Antwort auf die Frage "1999 - Wie entgehen wir der Sintflut?" Wirkliche Aufklärung innerhalb der Ausstellung erfahren wir jedoch nur, wenn eine kommunikative Person außerhalb des Museums eine der auf einer Postkarte abgedruckten Telefonnummern anwählt. "Wenn aber keiner anruft?" "Dann bleibt alles latent, keine schöne Geschichte.", antworten die Künstler M+M. Von der Heydt-Museum Wuppertal: 28. März bis 24. Mai 1999; Haus der Kunst München: 8. Oktober 1999 bis 9. Januar 2000. Der Katalog kostet 39.- DM. |