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Der
Düsseldorfer Kunstverein bietet mit seiner Photoausstellung "Berenice
Abbott's Changing New York, 1935 - 1939" die Möglichkeit eines
reizvollen Spazierganges durch das New York der 30er Jahre. Die erstmals
in Europa ausgestellten, meisterhaften Vintage-Prints der Amerikanerin
zeigen eine Metropole, die sich aufmacht, auch städtebaulich das 19. Jahrhundert
hinter sich zu lassen. Auf den 126 Photos sind die neu entstandenen Wolkenkratzer
an der Wall Street zu sehen, durch die New York ein völlig neues Gesicht
erhalten hat. Man kann aber auch den großen Kontrast zwischen dem alten,
teilweise schon verfallenen New York und den neuen Hochhaussilhouetten
finden.
Künstlerisch
inspiriert wurde die Photographin durch einen Klassiker der modernen Photographie.
Eugène Atget, der das Paris der Jahrhundertwende in seinen Photos so brillant
festgehalten hatte, war Abbotts Vorbild für ihr Arbeiten in New York.
Sie streift nun, ihrem Vorbild Atget folgend, durch die Straßen und versucht,
das sich ständig verändernde Stadtbild sowie die unterschiedlichen Facetten
New Yorks mit ihrer Kamera festzuhalten.
Dabei
gelingt es Berenice Abbott in ihren Photos Dokumentation und Kunst zu
verbinden. Ihre Ansichten von der Metropole am Hudson River sind nicht
nur reine Postkartenmotive, sondern kunstvoll durchdachte Kompositionen,
die die persönliche Sicht der Künstlerin auf New York widerspiegeln.
New York, New
York
von Katja
Debus
Lohnt
sich der Besuch einer Ausstellung, die Photos einer Metropole zeigt, die
eigentlich schon jeder kennt - durch einen eigenen Urlaub oder durch Fernsehen,
Illustrierte oder Kino? Ist ein Besuch so einer Ausstellung nicht genauso
interessant, wie ein Diaabend mit den lieben Verwandten und ihren Reiseerinnerungen
von fremden Orten und fernen Ländern? Wer die Düsseldorfer Ausstellung
"Berenice Abbott's Changing New York, 1935 - 1939" dennoch
besucht, wird angenehm überrascht sein, denn man bekommt nicht nur das
allseits bekannte New York zu sehen, sondern eine zum Teil weitgehend
untergegangene, verschwundene Welt.
Das
New York der 30er Jahre ist das Thema der Ausstellung. Der Kunstverein
für die Rheinlande und Westfalen macht mit dieser Schau einen retrospektiven
Spaziergang durch die Stadt möglich. Erstmals in Europa werden 126 Vintage-Prints
von Abbott in einer Einzelschau gezeigt, die im letzten Jahr in New York
zu Ehren des 100. Geburtstages der Künstlerin und der Stadt "Greater New
York" zu sehen war.
Die
amerikanische Photographin ist wohl dem Großteil des kunstinteressierten
Publikums hierzulande noch fast völlig unbekannt. Ihr Name fällt höchstens
im Zusammenhang mit einem der Väter der künstlerischen Photographie, mit
Eugène Atget. Weitgehend war es Abbott, die zur Wiederentdeckung seines
Werkes beitrug. Durch diese Fokussierung auf Abbotts Verbindung zu Atget,
wird völlig außer Acht gelassen, daß die Schülerin Man Rays selbst photographierte
und schon zu Lebzeiten in Amerika ein Star der Kunstszene gewesen ist.
Auf dem europäischen Kontinent gilt es, die Wegbereiterin der modernen
amerikanischen Photographie jetzt neu zu entdecken.
Abbotts
Photos der Metropole am Hudson River dokumentieren die unterschiedlichen
Facetten einer modernen Großstadt Amerikas. Sie belegen eines der ehrgeizigsten
Großprojekte der Photographie, das jemals verwirklicht wurde.
Das
Projekt beginnt eigentlich schon im Jahr 1929. Zu diesem Zeitpunkt kehrt
die in Amerika geborene und seit 1921 in Paris lebende Abbott zu einem
Kurzbesuch in die Vereinigten Staaten zurück. Bei diesem Aufenthalt wird
sich die Photographin der Faszination, die New York auf sie ausübt, bewußt.
Eine "phantastische Leidenschaft", die Stadt zu photographieren und dort
das zu tun, was ihr künstlerisches Vorbild Atget in Paris getan hat, ergreift
die junge Frau. Noch im selben Jahr kehrt sie Europa den Rücken und zieht
zurück in die USA, nach New York. Damit beginnt eine Passion, die an die
10 Jahre dauern sollte und deren Endergebnis mit "Changing New York" präsentiert
wird.
Auf
den Photos ist nicht nur der Bauboom der 30er Jahre zu sehen. Neben den
über 300 m hohen neuen Wolkenkratzern, zeigt Abbott auch das alte New
York. Verfall und Armut sind in den Aufnahmen ebenso zu sehen, wie Fortschritt
und Veränderung. Viele der meisterhaften Photos von Berenice Abbott leben
von diesem starken Kontrast der Extreme.
Ruinen
und Abbruchhäuser stehen gleichberechtigt neben den touristischen Attraktionen
New Yorks. Werbeschriftzüge, die Signaturen der modernen Großstadt, werden
zum Bildthema. Viele der scheinbar so mühelosen "Schnappschüße" sind kunstvoll
durchdachte Aufnahmen, mitunter tagelang vorbereitet und sorgfältig komponiert.
Die modernen Stadtverduten leben von den oft überraschend gewählten Bildausschnitten.
Mal sind es die stark stürzenden Linien der Gebäude an der Wall Street,
mal die extreme Überecksicht in einem Photo wie Flatiron Building,
Madison Square oder die Gegenüberstellung von einer scharf eingefangenen
Penthouse-Terrasse und der unscharfen, weich gezeichneten Stadtsilhouette
im Hintergrund des Bildes Aussicht vom Penthouse, 56 Seventh Avenue.
Ein anderes Mal wird ein Bauwerk nur angeschnitten gezeigt, wie bei Brooklyn
Bridge, Water und New Docks Street.
Die
Ausstellung wird sinnvoll ergänzt durch alte Bücher und Plakate, sowie
durch einen Film über Berenice Abbott und Photos des Künstlers Douglas
Levere, der 60 Jahre nach Abbott ihre Motive aufgesucht hat und sie vom
ursprünglichen Standpunkt neu photographierte. Zur Ausstellung erscheint
ein sehr ansprechend gestalteter Katalog, in dem alle 305 offiziellen
Aufnahmen des "Changing New York"- Projektes gezeigt und ausführlich erläutert
werden. Er ist, wie auch die Ausstellung selbst, in einzelne "Boroughs"
eingeteilt und hält sich dadurch an die erstmalige Präsentation der Photos
in dem 1939 erschienenen "Guide to New York City", der allerersten Publikation
des Projektes in Buchform.
Die
Photos Berenice Abbotts sind Dokumentation und Kunst zugleich. Sie bieten
einen sehenswerten und charmanten Blick auf eine Stadt, die auch heute
noch ihr Gesicht ständig verändert. Virtuos werden diese Aufnahmen von
einer Frau in Szene gesetzt, deren Name in Europa nach dieser Ausstellung
hoffentlich nicht mehr nur einem kleinen Kreis von "Kennern" bekannt sein
sollte.
Die
Wanderausstellung war bis zum 4. Juli diesen Jahres im Düsseldorfer Kunstverein
für die Rheinlande und Westfalen zu sehen und ist nun im Musée Carnavalet
in Paris.
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