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  Kunstgeschichtliches Institut Bochum


Josef Albers

Homage to the Square
6 Serigraphien
1965
Siebdruck auf Papier bzw. Karton
je 50 x 50 cm
Kunstsammlungen der Ruhr-Universität
(Kunstbesitz der Verwaltung)

Josef Albers kann als einer der Mentoren der geometrischen Kunst nach 1945 bezeichnet werden, obgleich seine Bildsprache nur bedingt mit dem Etikett 'geometrisch' oder gar 'konkret' belegt werden kann. Im Ursprung dem pädagogischen Konzept des Staatlichen Bauhauses der 20er Jahre verpflichtet, entwickelte Albers während seiner Lehrtätigkeit am amerikanischen Black Mountain College - er war seit 1933 wegen des Nationalsozialismus in die USA emigriert - die Serie 'Homage to the Square'. Es geht - verkürzt gesagt - um die Bedingtheit unseres Sehens.

Die Serie der Homage folgt kompositorisch einem gleichbleibenden Muster: Albers legte 3-4 verschiedenfarbige, monochrome Quadrate übereinander, wobei die Anordnung der Farbflächen bei maximal 4 Quadraten seitlich gleichbleibt, jedoch die Abstände am oberen Bildrand dreimal so groß sind wie jene am unteren. Als Konstruktionsschema muß man sich ein Fadenkreuz vorstellen, dessen horizontale Linie leicht unterhalb der Bildmitte verläuft. Hiervon ausgehend, hat Albers offenbar ein Linienraster erdacht: Vertikal in einem gleichmäßigen Abstand wurde die Bildfläche 8fach, horizontal in einem ungleichmäßigen Abstand 9fach unterteilt.

Am Ende erscheinen die Quadrate 'gesockelt', das heißt sie schweben nicht im Raum, sondern 'sitzen auf', während die obere Bildhälfte größere Flächen freigibt. Auch wenn der Titel dieser Serie die Form in den Mittelpunkt des Interesses stellt, so geht es doch am Ende um die Farbe; genauer gesagt, um die Wechselwirkungen der Farben untereinander. 'Interaction of Color' nannte Albers sein umfangreiches Lehrbuch seiner Farberkundungen, das sich unter anderem in einem nicht geringen Maße auf die Erkenntnisse der Bauhausmeister Johannes Itten oder Wassily Kandinsky stützen kann. Albers hat im Grundsatze zwischen Tatsache und Täuschung unterschieden: Tatsache ist, daß verschiedenfarbige, monochrome Quadrate in einem festgelegten Raster übereinandergelegt wurden. Täuschung ist, daß im Zusammenspiel der Farben der Eindruck erweckt wird, als würde sich die Farbe innerhalb eines Quadrates vom Zentrum zu den Rändern verändern, als würden - stellt man sich eine Tiefenräumlichkeit des Bildes vor - die einzelnen Quadrate in verschieden großen Abständen hintereinander schweben. 'Factual Fact' und 'Actual Fact' nannte Albers diese widersprüchlichen Daseinsformen von Farben. Zielpunkt dieser Unterscheidung ist die Bedingtheit unserer Wahrnehmung, das heißt die physiologisch-psychologische Wirkung der Farben. Dabei erliegt unser Auge nicht selten einem Täuschungsmanöver, denn das Wechselspiel der Farben in Qualität und Quantität verändert die Wirkung - verglichen mit der Erscheinung der Farbe, würde sie ohne andere auftreten.

Die Homage-Serie ist eine von mehreren systematischen Untersuchungen Albers über die Wirkung optischer Phänomene. Die Reihe der 'Strukturalen Konstellationen' aus den 50er und frühen 60er Jahren etwa experimentiert mit der Raumwahrnehmung, wenn Albers mit Lineaturen Tiefenräumlichkeit vortäuscht, diese aber im gleichen Augenblick wieder aufhebt. Beispiele hierfür finden sich auch auf dem Gelände der Ruhr-Universität in Gestalt großformatiger Wandreliefs (HGA, HGB; jeweils Ebene 03).

K. H.