Einführung zur Düsseldorfer Malerschule

"An allen Ecken und Enden werden Sie Werke von Künstlern der Düsseldorfer Malerschule finden." Alexandre Cantaloubes Bemerkung in seiner Kritik zur Pariser Salonausstellung des Jahres 1864 war durchaus nicht schmeichelhaft gemeint, fürchtete er doch, die französischen Maler würden von den deutschen auf die Seite gedrängt. Sie bezeugt aber die ungeheure Verbreitung von Gemälden einer Schule, die heute nurmehr Fachleuten und Lokalpatrioten ein Begriff ist. Im 19. Jahrhundert war das anders. Denken wir heute an einsame Genies wie Caspar David Friedrich oder Vincent van Gogh, so waren diese Maler wiederum nur den damaligen Fachleuten bekannt - und im übrigen wenig gelitten. Vor hundert Jahren hatten Künstlernamen wie Peter Cornelius, Wilhelm von Schadow oder Eduard von Gebhardt einen hervorragenden Klang, und alle diese Maler waren mit der Düsseldorfer Akademie in Berührung gekommen, einer Ausbildungsinstitution, die neben München und Berlin zu den führenden in Deutschland gehörte. Praktisch jeder deutsche Maler, der etwas auf sich hielt, wollte hier einen Teil seiner Ausbildung absolvieren. Wenn ein Künstler aus dem Ausland kam - etwa aus den Vereinigten Staaten -, so lenkte er seine Aufmerksamkeit häufig auf die kleine rheinische Stadt, die nach Anschluß des Rheinlandes an Preußen im Gefolge des Wiener Kongresses von der Berliner Zentrale zu einem Kunstzentrum ausgebaut worden war.

Bekannt war die Düsseldorfer Malerschule vor allem für ihre Produktionen im Bereich der Genremalerei, aber auch andere Gattungen wurden von ihr berücksichtigt und fanden internationale Beachtung. Die in der Ausstellung im Düsseldorfer Kunstmuseum gezeigte Genremalerei mußte sich erst gegen die Vorbehalte der akademischen Historienmaler durchsetzen, obwohl sie sich beim Publikum von vorne herein großen Zuspruchs erfreute.