Workshops

Workshop Industriefotografie

Prof. Dr. Änne Söll
Prof. Dr. Eva Ehninger, HU Berlin
Dr. Kathrin Rottmann

Die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zahlreich hergestellten Industriefotografien besitzen keinen institutionellen Ort, sondern befinden sich in Firmenarchiven, Nachlässen, Industrie- und Technikmuseen oder reproduziert in historischen Publikationen. Sie sind Speicher von Material- und Produktionswissen und wurden genutzt, um in werkseigenen Schriften oder illustrierten Magazinen die soziale und industrielle Organisation innerhalb der Fabriken anschaulich und die industriellen Produktionsprozesse öffentlich sichtbar zu machen. Doch eine „Photographie der Kruppwerke oder der A.E.G.“, so gab Walter Benjamin, Brecht zitierend, 1931 zu bedenken, „ergibt beinahe nichts über diese Institute. Die eigentliche Realität ist in die Funktionale gerutscht. Die Verdinglichung der menschlichen Beziehungen, also etwa die Fabrik, gibt die letzteren nicht mehr heraus. Es ist also tatsächlich etwas aufzubauen, etwas Künstliches, Gestelltes.“ Der Workshop, dessen Beiträge in den kritischen berichten veröffentlicht werden, widmet sich den in unterschiedlichen Kontexten produzierten und publizierten Fotografien, die von unbekannten Fotografen und Fotografinnen der Avantgarde angefertigt wurden, unentdeckt in Archiven überdauern, im Museum als Inbegriff moderner Fotografie präsentiert werden und in der Kunstgeschichte erst Beachtung fanden, als die Fabriken, in denen sie entstanden, bereits stillgelegt waren. Was wurde darin „Künstliches, Gestelltes“ aufgebaut? Wie ist angesichts von Rationalisierung und Maschinisierung der Produktion das Verhältnis von Hand- und Maschinenarbeit gestaltet? Und wie wurde im Medium Fotografie, dessen Bildträger längst industriell produziert wurden, industrielle Produktion thematisiert?

Datum: 28. Juni 2018
Ort: Bibliotheksraum, SKII, Bochum


Epochenübergreifend

Buchvorstellung

≫Mittelalterliche Mythenrezeption. Paradigmen und Paradigmenwechsel≪ lautete das Thema einer wissenschaftlichen Tagung, die vom 2. bis zum 4. Juni 2016 an der Ruhr-Universität Bochum stattfand. Es ging um die Frage, wie, unter welchen Bedingungen und mit welchen Absichten Mythen der antiken Tradition, insbesondere der griechischen und der römischen Kultur, im Mittelalter rezipiert wurden.
Ziel der Tagung war es, diese Fragestellung über die Breite der Gattungen (Literatur,
Bildkünste) hinweg zu untersuchen und dementsprechend disziplinenübergreifend zu arbeiten. Dazu gehörte maßgeblich, zu untersuchen, welche Erkenntnisse sich aus den jeweiligen künstlerischen Produkten unterschiedlicher Art selbst und aus deren Entstehungskontext herleiten lassen. In der Zusammenschau der erreichten Ergebnisse war es zugleich das Ziel, für das Phänomen mittelalterlicher Mythenrezeption eine chronologische Binnenstrukturierung in den Blick zu nehmen, die es erlaubt, historisch relevante Phasen und Umbrüche zu definieren.
Das entsprechende methodische Spektrum, das sich mit unterschiedlichen Gewichtungen in den Beiträgen entfaltet, soll mit dem Paradigma-Begriff im Untertitel des nun vorgelegten Bandes umrissen werden.
Das Buch versteht die betreffenden mittelalterlichen Phänomene als selbstbewusste, absichtsvolle Kreationen.


DFG-Projekt: Bildliche Mythenrezeption im Mittelalter und der Epochendiskurs moderner Kunsthistoriographie

Absicht des Projekts ist es, ein zentrales Erklärungsmodell der modernen Kunsthistoriographie zur Antikenrezeption zu analysieren, auf seine Gültigkeit zu überprüfen und Alternativen zu diskutieren: das sogenannte Nachleben der antiken Götter im Mittelalter. Auf dem Prüfstein steht damit eine zentrale historiographische Denkfigur, die sich mit Nachlebenmodellen verknüpft: die diachrone Projektion sowohl der Wurzeln einer bestimmten Kultur als auch der radikalen Alterität auf eine spezifische historische Epoche. (Projektleitung: Prof. Dr. Ulrich Rehm)

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Moderne

Buchprojekt Kunst, Arbeit und Industrie

In seinem Manifest Kunst und Produktion stellte der Theoretiker der Produktionskunst Boris Arvatov 1926 fest, dass „die bürgerliche Kunstgeschichte noch heute, mit wenigen Ausnahmen, eine Geschichte der Künstler (der Heroen und Generäle der Ästhetik), nicht aber eine Geschichte der künstlerischen Verfahren, der künstlerischen Produktion“ sei. Die künstlerischen Verfahren sind Gegenstand dieses Projekts, das die Auswirkungen der Industrialisierung auf die Produktion in der bildenden Kunst verfolgt und der künstlerischen Aneignung der industriellen Herstellungs- und Bearbeitungsverfahren nachgeht. Anstelle einer Motivgeschichte oder Ikonographie der Arbeit in der bildenden Kunst werden die industriellen Produktionsprozesse untersucht, die in den industriellen Zentren des 19. bis 21. Jahrhunderts in Europa und den USA aus den Fabriken und Werkstätten in die Kunst transferiert wurden. Als Analysekriterien greift das Projekt auf die von Gottfried Semper in seiner praktischen Ästhetik für Techniker, Künstler und Kunstfreunde während der Industrialisierung entwickelten Kategorien zurück: das Material, die Werkzeuge und Prozeduren. Deshalb werden zur Untersuchung auch Wirtschaftstheorien, Produktionshandbücher und Ingenieurwissen herangezogen, die zum theoretischen Kontext künstlerischer Arbeiten gehören, die sich mit der industriellen Produktion auseinandersetzen. Es gilt, nach den historischen, sozialen und politischen Bedingungen der künstlerischen Allianz mit der Industrie zu fragen, nach den Folgen der Industrialisierung für die Praxis und Theorie der bildenden Künste und nach dem im Zeitalter der (De)Industrialisierung neu ausgehandelten Stellenwert der künstlerischen Arbeit und Produktion. (Projektleitung: Dr. Kathrin Rottmann)


Ausstellungsprojekt Forschendes Lernen: Günter Fruhtrunk im Ausstellungslabor des Kunstgeschichtlichen Instituts

Jun.-Prof. Dr. Stephanie Marchal
Dr. Kathrin Rottmann

Dauer: Sommersemester 2018 – Wintersemester 2018/19

Die Arbeiten Günter Fruhtrunks, der 1968 an der documenta IV und der Biennale von Venedig teilnahm, architekturgebundene Arbeiten – darunter das Farbleitsystem der Ruhr-Universität – (mit)entwickelte, den Entwurf der Aldi-Tüte lieferte und im Auftrag der Bundesregierung den Quiet Room im UNO-Hauptquartier gestaltete, scheinen fester Bestandteil der Kunstwelt der BRD der 1960er und 70er Jahre gewesen zu sein. In der Nachkriegszeit versprachen sie aufgrund ihrer Ungegenständlichkeit und den in der Kunstgeschichte und Kunstkritik anhand der Ästhetik der Arbeiten geführten Debatten über die Bedingungen des Sehens die Überwindung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die Bilder forderten die Betrachter physisch heraus, indem sie mit charakteristischen Streifen in schwarz und grellen Farben das Sehen strapazierten. Seit den 1980er Jahren jedoch, als die „Neuen Wilden“ mit „heftiger Malerei“ gegen die geometrische Abstraktion, Konzeptkunst und Minimal Art anmalten, scheinen die strengen Kompositionen, die jeglichen malerischen Gestus vermeiden, an Interesse verloren zu haben und wurden erst in jüngster Zeit wieder ausgestellt und mit Werkverzeichnissen erschlossen. Im Rahmen des Seminars entwickeln die Studierenden ein Ausstellungskonzept, um Fruhtrunks in den Kunstsammlungen der RUB vorhandene Arbeiten (kunst)historisch, politisch und wirtschaftlich zu kontextualisieren. Dabei soll auch reflektiert werden, wie Wissensproduktion im Museum gestaltet und Forschung in der Ausstellung, die im Januar 2019 im Kubus der Situation Kunst eröffnet werden soll, visualisiert werden kann.


Lichtenberg-Professur: Kunstkritik und Krisenrhetorik - Modellfall Kunstschriftstellerei

Critique is co-originary with modern culture and a fundamental instrument of modern self-awareness. This is particularly true of art criticism: It equally deals with a viewer's sensory-reflexive encounter with an object as well as with himself/herself as the discerning and reflecting subject. The current state of research is diametrically opposed to the relevance of the phenomenon: The genesis, history and methods of art criticism have only been touched upon. The currently prevalent talk of a "crisis" in art criticism is lacking a thorough analysis of the genre and its purpose. Thus, the primary focus of the professorship which is realized in cooperation with the Leuphana University Lüneburg is the fundamental question of what exactly can be considered art criticism and how it can constitute itself. (Projektleitung: Jun.-Prof. Dr. Stephanie Marchal)

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Frühe Neuzeit

Buchprojekt: Selbstformung und Selbstbespiegelung. Zur Konkretion von Denkmustern im neuzeitlichen und frühmodernen Selbstbildnis.

Projektleitung: Prof. Dr. Valeska von Rosen

Im Rahmen des Buchprojekts wird eine nicht öffentliche Tagung in den Uffizien stattfinden:

Die Galleria degli autoritratti der Uffizien.
Zu den Produktionsbedingungen und Rezeptionsweisen von Künstlerselbstbildnissen in einer neuzeitlichen Sammlung.

La Galleria degli autoritratti degli Uffizi.
Per le condizioni di produzione e per i modi di ricezione di autoritratti d’artisti in una collezione moderna.

09.–12. September 2018, Florenz, Galleria degli Uffizi


DFG-Projekt: Kunsthistoriographie und Künstlerbiographik im 17. Jahrhundert. Giovanni Pietro Belloris Vitenwerk in seinen Kontexten (Oktober 2014-–September 2017, kostenneutral weitergeführt bis 20. Juni 2019)

Projektleitung: Prof. Dr. Valeska von Rosen

Giovanni Pietro Bellori verband mit seinen 1672 publizierten Viten von Malern, Bildhauern und Architekten des 17. Jahrhunderts neben den traditionellen Aufgaben der Biographik, nämlich der Informationsvermittlung und Evokation eines lebendigen Bildes der charakterisierten Persönlichkeit, auch ein kunsthistoriographisches Interesse.

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Habilitationsprojekt: Tiepolo und die Aufklärung des Bildes

Am Beispiel von Giambattista Tiepolos Palast- und Villendekorationen werden für die letzten fünf ‚goldenen‘ Jahrzehnte (1720-1770) aristokratischer Repräsentationskunst künstlerische Reformbestrebungen beschrieben. Die Bildstrukturen und ihre architekturgebundenen Präsentationsformen werden im Kontext einer aufklärerischen Ästhetische einer Neubewertung unterzogen. (Projektleitung: Dr. Alexander Linke)

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DFG-Projekt: Denkformen des Neuen in der venezianischen Kunstliteratur des Cinque- und Seicento

Ziel des Teilprojekts ist es zu zeigen, dass es in der italienischen Kunstliteratur der Frühen Neuzeit plurale Denk- und Argumentationsfiguren für das "Neue" und für die Relationierung von Vergangenheit und Gegenwart in den Künsten gab, die in ihrer Diversität bislang erst in Ansätzen wahrgenommen wurden. (Projektleitung: Prof. Dr. Valeska von Rosen; Teilprojekt 04 der von der DFG geförderten FOR 2305: Diskursivierungen von Neuem. Tradition und Novation in Texten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit)

Innerhalb der DFG-Forschergruppe 2305 findet im Herbst 2018 folgender Workshop unter Federführung von Prof. Dr. Klaus W. Hempfer (Berlin) und Prof. Dr. Valeska von Rosen (Bochum) statt:
"Probleme der Epochisierung"
Montag 05.11.–Dienstag 06.11.2018
Freie Universität Berlin

http://www.for2305.fu-berlin.de/publikationen-berichte/vortraege/index.html

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Abgeschlossene Projekte

Buchprojekt: Ter Brugghen und die religiöse Bildsprache in den Niederlanden

Anders als es die Ausbildungsregeln niederländischer Künstler vorsahen, beschäftigte sich der Utrechter Maler Hendrick ter Brugghen (1588-1629) auf seiner Reise nach Rom nicht mit der Antike oder der Hochrenaissance, sondern mit der damals zeitgenössischen Malerei, vor allem derjenigen Caravaggios, die in Rom um 1600 breit und kontrovers diskutiert wurde. Die Frage nach den Gründen für seine so expliziten Rekurse auf Caravaggios unkonventionelle und ihr Publikum oft frappierende Gemälde nach seiner Rückkehr in die Niederlande steht im Zentrum der Studie. Sie gewinnt an Brisanz, da ter Brugghen dort für ein konfessionell überaus heterogenes Publikum arbeitete. Wer also interessierte sich in Utrecht, Deventer und Diest für eine gegen normierte Darstellungsweisen des Religiösen verstoßende Bildsprache, worauf zielte ter Brugghen mit ihr? (Projektleitung: Prof. Dr. Valeska von Rosen)

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Buchprojekt: Ruhr-Universität Bochum – Architekturvision der Nachkriegsmoderne

1965 nahm die Ruhr-Universität Bochum den Lehrbetrieb auf – in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. Die Architektur dieser ersten Universitätsgründung der Bundesrepublik ist programmatisch auf Bildungsreformen und -konzepte der 1960er Jahre bezogen und verortet sich zugleich in der internationalen Architekturentwicklung.
(Projektleitung: Prof. Dr. Richard Hoppe-Sailer, Prof. Dr. Cornelia Jöchner und Dr. Frank Schmitz)

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Buchprojekt: Typologie in der Frühen Neuzeit Genese und Semantik heilsgeschichtlicher Bildprogramme von der Cappella Sistina (1480) bis San Giovanni in Laterano (1650)

Michelangelo, Tintoretto, Rubens – sie alle sind Künstler, die sich in Hauptwerken auf das vermeintlich mittelalterliche Bildsystem der Typologie beziehen. In vergleichender Perspektive werden die neuzeitliche Theorie und Wirkungsgeschichte typologischer Bild- und Denkstrukturen zwischen Frührenaissance und Hochbarock erstmals systematisch erforscht. (Projektleitung: Dr. Alexander Linke)

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