Architektur und Landschaft in den frühen Photographien |
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Andreas Gursky verstärkte den Eindruck der Künstlichkeit der Gebäude, indem er 1993 die ursprüngliche Aufnahme mittels Computertechnik veränderte. Dabei hat er das Bild so arrangiert, als habe ein übermächtiger Baumeister zu mehreren Bastelbögen gleichzeitig gegriffen, allerdings ohne einen Blick in die Bauanleitung zu werfen. Vor dem neutralen Himmel wirken die Hochhäuser eindimensional, wie ausgeschnitten. Dabei ähneln sie nicht nur in ihren Formen den Blöcken der Mauerskulptur, sie stehen auch ähnlich verquer und ohne erkennbaren Bezug zueinander. Worauf Andreas Gursky mit diesem Werk abzielt, könnte ein einzelner Schriftzug am Einkaufszentrum verraten: "Art du Bricolage", "Bastelarbeit". Eine deutlichere Form von Architekturkritik gibt es im Werk von Andreas Gursky jedoch nicht. Interpretiert man den Begriff der 'Bricolage' im Sinne von Claude Lévi-Strauss, so kann er ebenfalls auf den Entstehungsprozeß der Gursky'schen Arbeiten angewendet werden. In seinem Buch Das wilde Denken vergleicht der französische Anthropologe zwei Arten der Erkenntnis, die der Wissenschaft und die der Intuition. Letzterer ordnet Lévi-Strauss die 'Bricolage', die Bastelei auf praktischem Gebiet. Künstlerische Schöpfung aber gehöre in den Bereich dazwischen.[Anm. 6] Das gilt auch für Andreas Gursky, obgleich er selbst die Intuition beim eigenen Photographieren betont. Denn schließlich ist sein Verfahren nicht ohne konzeptuelle Überlegungen denkbar. Oft läßt der Künstler das Material Monate oder auch Jahre liegen, bis er sich schließlich für ein Bild entscheidet.[Anm. 7] Der endgültigen Entscheidung geht demnach ein längerer Denkprozeß voraus. D.h. er experimentiert so lange mit bildnerischen Versatzstücken bis die Komposition einen Sinn ergibt. Andreas Gursky bastelt also nicht nur intellektuell, sondern auch handwerklich. Anders gesagt, versteht sich der Künstler selbst als gleichsam digitaler Bildbastler.
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