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  Kunstgeschichtliches Institut Bochum

 

Architektur und Landschaft in den frühen Photographien
von Andreas Gursky

Auszüge aus dem Katalogbeitrag von:
Markus Weckesser

 

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Nicht die Architektur und die Landschaft selbst, sondern deren Wirkung auf den Betrachter wird im photographischen Werk der 1980er und frühen 1990er Jahre von Andreas Gursky dargestellt. Es geht ihm nicht um die Veranschaulichung von Funktionen und Materialität der Architektur oder von Erhabenheit und Schönheit der Landschaft. Denn ob es sich um Stadtansichten oder Fabriken, um Gebirgsbilder oder Freizeitzentren handelt: Im Zentrum seines Interesses steht der in diesen Landschaften und Architekturen lebende Mensch. Wenn Otto Kapfinger konstatiert, die alte humanistische Illusion vom Menschen im Mittelpunkt des Weltgeschehens verblasse bei Gursky,[Anm. 1] dann trifft dies nur ebenso eingeschränkt zu wie Gregorio Magnanis Bemerkung, die Photographien würden kein Interesse für die Menschen hervorrufen, da diese wie Requisiten und dekorative Elemente arrangiert seien.[Anm. 2] Gursky selbst beschreibt das, wenn er sagt: "Ich möchte eher Daseins- und Zustandsbeschreibungen bieten".[Anm. 3] Dabei sind die von ihm gewählten Bildmotive "nur ein Vehikel, um den Natur- und Lebensraum des Menschen darzustellen. Dadurch wird der Mensch thematisiert."[Anm. 4]

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Deshalb zeigen nahezu alle Bilder zumindest Spuren zivilisatorischer Eingriffe, und nur wenige sind völlig menschenleer: Anders gesagt, ist die Landschaft bei Gursky immer eine Kulturlandschaft. Zumeist sind es öffentliche oder halböffentliche Orte, die Gursky für seine Photographien auswählt. Bis Ende der achtziger Jahre geht er bevorzugt im rheinischen Umfeld, später ebenso in europäischen Nachbarländern, in Amerika und Asien auf Motivsuche.

Ruhrtal
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Gursky will darstellen, wie die Welt strukturiert und organisiert ist. Dabei reflektiert er auch kunstimmanente Fragestellungen.[Anm. 5]

Keineswegs idealisierend photographiert Gursky dagegen La Défense, Panorama. Es ist eines der wenigen Panorama-Bilder im Œuvre des Künstlers. Die Photographie zeigt ein monumentales Hochhaus-Tableau. Da an mehreren Gebäuden Leuchtschriften mit Firmennamen angebracht sind, ist zu vermuten, daß es sich vornehmlich um Büros handelt. Einzig bei dem mittleren Komplex, der sich schon aufgrund der relativ niedrigen Höhe vom Rest der Gebäude absetzt, verweist die Werbung auf eine Ladengalerie. Vor den Hochhäusern breitet sich ein großer, mit weißen Bodenplatten gepflasterter Platz aus. Die kleine, spitze Steinpyramide am vorderen Bildrand wirkt als architektonisches Schmuckstück ebenso deplaziert wie links das zehnteilige Mauerensemble.

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